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Tartuffe
(Tartuffe)
Deutsch von Peter Stephan Jungk / Luc Bondy
4 D, 7 H, St
Molières Verführungs- und Verstellungskünstler Tartuffe macht sich im Haus des vermögenden Orgon vollkommen unentbehrlich, indem er vorgibt, dessen Defizit an Lebenssinn mit Religion zu füllen. Mit der hypnotischen Kraft eines Sektenführers dringt Tartuffe in alle Geheimnisse der Pariser Bürgerfamilie ein, deren Oberhaupt ihm in kompletter, lächerlicher Selbstverleugnung folgt, sogar Haus und Vermögen überschreibt.

Bei der Uraufführung löste das Stück einen Skandal aus, vor dem nicht einmal König Ludwig XIV. seinen Protegé Molière noch schützen konnte. Zu scharf war die Kritik gegen die religiösen Heuchler und zu deutlich erkennbar ihre Adressaten. Auch dreihundertfünfzig Jahre später stellt das Stück verblüffende Wiedererkennungseffekte her: Für die pseudospirituellen Gewinnler einer durch Luxusprobleme latent therapiebedürftig gewordenen Gesellschaft gibt es Vorbilder genug. Welche Methoden wendet ein archetypischer Opportunist wie Tartuffe heute an, um ans Ziel seiner Wünsche zu gelangen, welche Verführungskünste setzt er ein und wie rücksichtslos ist er in der Wahl seiner Mittel? (Burgtheater Wien)


Uraufführung:
der Übersetzung 28.05.2013 | Akademietheater Wien
Regie: Luc Bondy
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