Jan Fabre

Eine tot-normale Frau
(Een doodnormale vrouw)
1 D
UA: 21.09.1995 · deSingel, Antwerpen · Regie: Jan Fabre
DSE: 03.04.1996 · Theater Am Turm, Frankfurt am Main · Regie: Jan Fabre
"Theater, Ballett oder Oper muß man vorbereiten wie einen Krieg. Der geistige Raum muß ein Schlachtfeld der Liebe und der Sehnsucht nach Liebe sein." (Jan Fabre)
Eine tot-normale Frau ist der Monolog einer Hexe, die Züge der mythologischen Gestalt Liliths trägt: Es ist ein Monolog über den ewigen Kampf zwischen Mann und Frau, zwischen Gefühl und Vernunft, Nähe und Distanz, Freiheit und Abhängigkeit, Unterwerfung und Dominanz, Leben und Tod.
Das Stück handelt von der komplexen Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau, von ihren Streitereien und ihren Machtspielen. Während die Frau sich hemmungslos ihren Gefühlen ausliefern will, verschanzt der Mann sich hinter Rationalität und Sprache. Die Phantasien und Träume der Frau stehen in krassem Gegensatz zu seinen Erwartungen und Projektionen.
Es wird jedoch schnell deutlich, dass sich dieser lange, emotionale Dialog nur im Kopf der Frau abspielt, die mit ihren "zwei Seelen", ihrer männlichen und ihrer weiblichen Seite, kämpft. Hin- und hergerissen zwischen Selbstbehauptung und Selbstzerstörung, versucht sie - mit Hilfe beschwörender Zauberformeln, unheimlicher Kochkünste und magischer Rituale -, ihre innere Gespaltenheit aufzuheben.
Ein faszinierender Text über die verborgenen Seiten jedes Menschen, über die Hexe in jeder "tot-normalen Frau".