Jona Rogalski
Desertiert
2 D, 3 HAls der junge DDR-Grenzsoldat Franz Hoffmann am 15. August 1961 an der Berliner Bernauer Straße Dienst tut, trifft er eine folgenschwere Entscheidung: Er wirft seine Waffe weg und wagt den Sprung über den Stacheldraht in den Westen. Genau in diesem Sekundenbruchteil drückt der westdeutsche Fotograf Peter ab. Das Foto mit dem Titel „Sprung in die Freiheit“ geht um die Welt und wird zur universellen Ikone des Sieges über die Diktatur.
Im Westen versucht er sich als Mechaniker eine Existenz aufzubauen, findet in der Krankenschwester Luzie die große Liebe und zieht mit ihr ins bayerische Altmühltal. Doch die vermeintliche Idylle trügt: Franz leidet unter schwerer Paranoia, fühlt sich im Visier von Stasi-Spitzeln und flüchtet sich in imaginäre Zwiegespräche mit US-Präsident Ronald Reagan. Reagan, der ihn einst im Traum zur Flucht ermutigte, wird im bayerischen Exil zu einer bedrohlichen Stimme in seinem Kopf, die ihn unaufhaltsam in die Isolation treibt.
Gleichzeitig ist die zurückgelassene Mutter Helene in Meißen zerrissen zwischen ihrem Glauben an den Sozialismus und der bitteren Sehnsucht nach ihrem Sohn. Verzweifelt versucht sie, Franz eine legale Rückkehr zu ermöglichen. Ihr Weg führt sie bis in die düsteren Büros des Ministeriums für Staatssicherheit, wo die zerstörerische Kälte des DDR-Machtapparats überdeutlich spürbar wird.
Jona Rogalskis historisch-psychologisches Drama blickt hinter die Fassade einer Ikone des Kalten Krieges und erzählt eine zutiefst bewegende Geschichte über Flucht, Schuld und die unsichtbaren Mauern im Kopf, die keine Grenzöffnung einzureißen vermag. Rogalski zeigt auf eindringliche Weise, wie die perfiden Methoden der staatlichen „Zersetzung“ ein Leben über Jahrzehnte und Grenzen hinweg vergiften.