Theater

Fokus

Lea Marlen Balzer

Penthesilea an der Isar

„Hier tobt ein Krieg, wie er, seit Furien walten, noch nicht gekämpft ward auf der Erde Rücken.“ Penthesilea steht an der Isar und grillt, vor ihr die Türme von Troja, ein gitarrespielender Baum – und Achilles, der mitten im Schlachtfeld sein Knie vor ihr beugt. Lea Marlen Balzer hat ein Stück geschrieben über Liebe, Rüstungen und einen Frauenstaat im Wald, und präsentiert den Text am 19. September auf der Weideninsel München als Open-Air-Happening.

Eine junge Frau in griechischer Rüstung, bestehend aus Brustpanzer und Helm mit Helmbusch, steht an einem Kieselstrand. Im Gegenlicht der goldenen Abendsonne trinkt sie genüsslich aus einer braunen Bierflasche.
© Lea Marlen Balzer

Lea Marlen Balzers lustvolle Penthesilea-Überschreibung spielt nicht nur auf dem trojanischen Schlachtfeld, sondern an und in der Isar, grillend und schwimmend. Hier schmettern Penthesilea und Achill so atemlos ineinander, dass die Welt in tausend Teile zerspringt – und endlich Platz ist für Small Talk mit Bäumen, seltsame Entwaffnungen und ein gewaltiges Fest. Am 19.9.2026 wird der Text, zu dem auch Ivana Sokola einen Monolog beiträgt, auf der Weideninsel in München als Open-Air-Aktion präsentiert. Weitere Informationen finden Sie hier

PENTHESILEA AN DER ISAR
Regie: Lea Marlen Balzer
Text: Ivana Sokola, Lea Marlen Balzer
Mit: Kriemhild Hamann, Henriette Nagel, Sylvan Szmul, Stella Marie Brauer
Ausstattung: Stella Marie Brauer

Hier finden Sie einen ersten Auszug aus dem Stück ...

Eine Frau in griechischer Rüstung mit Helm watet durch das flache Wasser an einem belebten Kieselstrand. Im Hintergrund entspannen sich viele Badegäste an einem sonnigen Sommertag auf einem steinigen Flussufer.
© Lea Marlen Balzer

Penthesilea:     
Seitdem sind wir dem Geschlecht der Männer nicht mehr dienstbar
Wir gehorchen nur uns selbst            
Tanais, unsere erste Königin, wurde ausgelacht        
Alle haben gesagt: Frauen, die können ja gar nicht Bogen schießen, die haben ja Brüste
Die werden sofort vom nächsten Nachbarn überrannt
Und die können ja auch gar nicht rasenmähen und bügeln und sich Gesetze ausdenken, wegen der Brüste
Da hat Tanais alle am Tempel von Mars zusammengerufen, uns Frauen und auch interessierte Nachbarn, 
hat die rechte Brust sich abgerissen und die Krone aufgesetzt und dann war Ruhe
Wir haben zu kämpfen gelernt
Aber nur zu Verteidigungszwecken
Meine Freundin Prothoe ist richtig gut mit Drohnen 
Meroe kann Panzerfäuste
Und seit meine Mutter regiert hat, haben wir einen Iron Dome
Wir sind frei wie der Wind auf offenem Brachfeld

Achill:
Und wie ist das so, ganz unter Frauen?

Penthesilea:    
Es ist toll
Es ist mega lustig
Aber es macht auch viel Arbeit    
Dass wir heute hier sein können    
Dass wir trainiert und stark sind und euch niederringen    
Dass über Jahrhunderte kein Mann eingeschleust wurde bei uns    
Das ist sehr viel Arbeit    
Manchmal sehne ich mich nach jemandem, der anders ist als ich        
Größer zum Beispiel und schwerer, und der manchmal stinkt    
Der unlogische Entscheidungen trifft         
Und danach, nicht kämpfen zu müssen

Achill:    
Das verstehe ich
Hast du eigentlich auch nur eine Brust?

Penthesilea:    
Ja

Achill:        
Cool

Penthesilea:
Und du?

Achill:    
Ich? Naja, ich hab irgendwie gar keine, aber halt schon zwei, wenn du so willst
Halt nicht so coole Milchbrüste, sondern nur so Kraftbrüste
Ich hoffe, sie gefallen dir trotzdem

Penthesilea:    
Darf ich mal sehen?

Achill:        
Ja

Penthesilea:    
Und was ist das?

Achill:        
Das ist mein Herz, das du harmlos schlagen siehst

 

//

 

Penthesilea denkt:
Überall, wo er steht, fällt eine riesige Masse an Sonnenlicht auf ihn
Ich äh –
Ich bin eifersüchtig auf die Sonne, die auf ihm liegt
Die ganze, bunte Erde ist nichts als ein dunkler Grund nur, die Funkelpracht des Einzigen zu heben
Lecker
Ich werde ihn so dermaßen in den Staub prügeln
 

© Sasha Ilushina

Lea Marlen Balzer

Lea Marlen Balzer (*1996) studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaften und Germanistik in Frankfurt am Main und Paris. Es folgen ein Regiestudium an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg und erste Aufträge an staatlichen Theatern. 2023 gewann ihre Arbeit Titanic oder wie tief kann man sinken im Wiener Nachwuchswettbewerb Drachengasse den Jurypreis und den Publikumspreis. Neben ihrer Theaterarbeit schreibt Balzer unter anderem für DIE ZEIT.

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