Theater
Fokus
Lea Marlen Balzer
Penthesilea an der Isar
Lea Marlen Balzers lustvolle Penthesilea-Überschreibung spielt nicht nur auf dem trojanischen Schlachtfeld, sondern an und in der Isar, grillend und schwimmend. Hier schmettern Penthesilea und Achill so atemlos ineinander, dass die Welt in tausend Teile zerspringt – und endlich Platz ist für Small Talk mit Bäumen, seltsame Entwaffnungen und ein gewaltiges Fest. Am 19.9.2026 wird der Text, zu dem auch Ivana Sokola einen Monolog beiträgt, auf der Weideninsel in München als Open-Air-Aktion präsentiert. Weitere Informationen finden Sie hier.
PENTHESILEA AN DER ISAR
Regie: Lea Marlen Balzer
Text: Ivana Sokola, Lea Marlen Balzer
Mit: Kriemhild Hamann, Henriette Nagel, Sylvan Szmul, Stella Marie Brauer
Ausstattung: Stella Marie Brauer
Hier finden Sie einen ersten Auszug aus dem Stück ...
Penthesilea:
Seitdem sind wir dem Geschlecht der Männer nicht mehr dienstbar
Wir gehorchen nur uns selbst
Tanais, unsere erste Königin, wurde ausgelacht
Alle haben gesagt: Frauen, die können ja gar nicht Bogen schießen, die haben ja Brüste
Die werden sofort vom nächsten Nachbarn überrannt
Und die können ja auch gar nicht rasenmähen und bügeln und sich Gesetze ausdenken, wegen der Brüste
Da hat Tanais alle am Tempel von Mars zusammengerufen, uns Frauen und auch interessierte Nachbarn,
hat die rechte Brust sich abgerissen und die Krone aufgesetzt und dann war Ruhe
Wir haben zu kämpfen gelernt
Aber nur zu Verteidigungszwecken
Meine Freundin Prothoe ist richtig gut mit Drohnen
Meroe kann Panzerfäuste
Und seit meine Mutter regiert hat, haben wir einen Iron Dome
Wir sind frei wie der Wind auf offenem Brachfeld
Achill:
Und wie ist das so, ganz unter Frauen?
Penthesilea:
Es ist toll
Es ist mega lustig
Aber es macht auch viel Arbeit
Dass wir heute hier sein können
Dass wir trainiert und stark sind und euch niederringen
Dass über Jahrhunderte kein Mann eingeschleust wurde bei uns
Das ist sehr viel Arbeit
Manchmal sehne ich mich nach jemandem, der anders ist als ich
Größer zum Beispiel und schwerer, und der manchmal stinkt
Der unlogische Entscheidungen trifft
Und danach, nicht kämpfen zu müssen
Achill:
Das verstehe ich
Hast du eigentlich auch nur eine Brust?
Penthesilea:
Ja
Achill:
Cool
Penthesilea:
Und du?
Achill:
Ich? Naja, ich hab irgendwie gar keine, aber halt schon zwei, wenn du so willst
Halt nicht so coole Milchbrüste, sondern nur so Kraftbrüste
Ich hoffe, sie gefallen dir trotzdem
Penthesilea:
Darf ich mal sehen?
Achill:
Ja
Penthesilea:
Und was ist das?
Achill:
Das ist mein Herz, das du harmlos schlagen siehst
//
Penthesilea denkt:
Überall, wo er steht, fällt eine riesige Masse an Sonnenlicht auf ihn
Ich äh –
Ich bin eifersüchtig auf die Sonne, die auf ihm liegt
Die ganze, bunte Erde ist nichts als ein dunkler Grund nur, die Funkelpracht des Einzigen zu heben
Lecker
Ich werde ihn so dermaßen in den Staub prügeln