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Caren Jeß

Endlich sind noch mehr da! – BOOKPINK: NEW ARRIVALS am Deutschen Theater Berlin

Endlich sind noch mehr da! Noch mehr schräge Vögel von Caren Jeß! Und sie sind ähnlich unberechenbar wie schon in BOOKPINK. Bunt sind sie und lustig, aber all das schützt sie nicht vor faschistischen Tendenzen.

Eine Performerin mit blauen Haaren und einem futuristischen Kostüm sitzt im Zentrum einer riesigen, aufblasbaren Skulptur, die an eine Blüte oder Koralle erinnert. Die Skulptur ist gelb und rot-pink beleuchtet.
© Jasmin Schuller

Mit BOOKPINK: NEW ARRIVALS wird das Kompendium um drei Dramolette erweitert: DIE ADLER, NULLIPARA KOLIBRI und NIKKI DIE KANARIE werden mitreißend gespielt von Daria von Loewenich, Bernd Moss und Natali Seelig. Jorinde Dröse hat am Deutschen Theater ein farbexplodierendes Vogelspektakel mit sehr dunklen Abgründen inszeniert. Natürlich durfte der passende Premierenschmuck nicht fehlen…

Das Bookpink-Universum wuchert köstlich weiter. Caren Jeß entführt aufs Neue in die faszinierende Welt der Vögel, die - wie schon im ersten Bookpink - erschreckende Parallelen zur Menschenwelt aufzuzeigen vermag. Wen wundert da, dass es in Bookpink New Arrivals um Faschismus, Machtmissbrauch und das langsame Verschwinden von Fantasie geht. Und dass trotzdem noch gelacht werden kann. Denn eins ist bei Caren Jeß völlig klar: Nichts ist einfach so, wie es scheint.
Der Adler verachtet sein Kind. Dabei ist der Adler doch die Mutter. Aber ohne weibliche Form. Die gibt es für ihn nicht. Dafür den Kainismus. Wenn starke Adlerküken schwache Adlerküken töten. Peinlich, wenn das Schwache überlebt. Schnell mit ihm ins Reservat für auffällige Vögel. Besser neue Eier brüten, starke Küken hüten.

Frau Pétain, ein influencendes Kolibriweibchen, will sich sterilisieren lassen. Doch die Operation misslingt. Die ärztliche Zaunkönigin juckt das nicht. Sie ist ohnehin dagegen. Da kann auch der besorgte Kollege Titsch, ein Orangekopftrupial, nichts ausrichten. Frau Pétain begreift nicht, dass ihr Eingriff erfolglos blieb. Fröhlich zwitschernd fliegt sie davon.
Nikkie die Kanarie sitzt leuchtend gelb in einer Voliere. Sie sehnt sich nach Freiheit, gibt nur noch einzelne Töne von sich. Mensch Cord wird sie ihr nicht mehr geben, er ist am Sterben, umgeben von Glas, Farben und Licht, das sich hundertfach bricht. Derweil sitzt Zilpzalp am Fenster und wartet feixend auf den Moment, in dem Cord gegangen sein wird, die Voliere sich öffnet und Nikki zu singen beginnt.

Bookpink: New Arrivals 
von Caren Jeß 

UA: 19.4.2026, Deutsches Theater Berlin 
Regie: Jorinde Dröse 
Bühne: Kathrin Frosch 
Kostüme: Juliane Kalkowski 
Musik: Lars Wittershagen 
Licht: Thomas Langguth 
Dramaturgie: Jasmin Maghames

Mit: Daria von Loewenich, Bernd Moss und Natali Seelig

Drei Personen auf einer pinken Bühne: Oben steht eine Performerin in einem braunen Federkostüm in einem Lichtkegel. Darunter kauert ein Mann mit Tierohren. Rechts blickt eine Person in Federjacke nach unten.
© Jasmin Schuller
© Stefanie Loos

Caren Jeß

Caren Erdmuth Jeß, geboren 1985 in Eckernförde, studierte Deutsche Philologie und Neuere deutsche Literatur in Freiburg i.Br und Berlin. Als Dramatikerin trat sie das erste Mal 2017 in Erscheinung, als sie mit ihrem Stück Deine Mutter oder Der Schrei der Möwe den dritten Platz des Osnabrücker Dramatikerpreises belegte. 2018 gewann sie die Residency des Münchner Förderpreises für deutschsprachige Dramatik mit Bookpink. Mit der Grazer Uraufführungsinszenierung von Bookpink wurde sie 2020 für den Mülheimer Dramatikerpreis nominiert und zur Nachwuchsdramatikerin des Jahres erklärt. Im Jahr davor gewann sie außerdem den Else-Lasker-Schüler-Stückepreis für ihr Stück Der Popper und den Preis der taz-Publikumsjury des 26. open mike für Die Ballade von Schloss Blutenburg. 2023 gewann sie für das Stück Die Katze Eleonore in der Produktion des Staatsschauspiel Dresden den Mülheimer Dramatikpreis sowie den Publikumspreis der Mülheimer Theatertage. Caren Jeß lebt in Dresden.

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