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William Shakespeare & Lucien Haug

Lucien Haugs sprachgewaltige Neuübersetzung von ROMEO UND JULIA am Theater in der Josefstadt

Diese Liebe entfacht schnell und heftig und droht, ganz Verona zu entfachen. Am 01.10.2026 wurde ROMEO UND JULIA in der fantastischen Neuübersetzung von Lucien Haug am Theater in der Josefstadt in Wien uraufgeführt. Stefan Pucher verlegt den Klassiker in ein postapokalyptisches Niemandsland, in dem ein digitaler Fürst-Avatar über die beiden verfeindeten Familienclans herrscht. Eine Ruinenlandschaft aus christlicher Ikonografie, dröhnendem Punkrock und den Überresten längst vergangenen Reichtums (Versace-Pyjamas inbegriffen). Das Ensemble spielt mitreißend und tosend, findet dabei aber auch immer das richtige Maß zwischen verletzlicher Zartheit und aufgedrehtem jugendlichen Übermut.

Zwei riesige, gesichtsförmige Leinwände auf einer Bühne zeigen Videoprojektionen von Gesichtern. Rechts davor steht ein Schauspieler in einer Jacke und einem Schottenrock. © Patrick Rieser
Ein absolutes Highlight: Die Neuübersetzung von Lucien Haug, die prall und melodisch auf der Bühne klingt. Lucien Haug behält Versmaß und Struktur des Stücks bei und findet eine moderne Sprache, die mal poetisch bildreich und mal derb und deftig aus dem Vollen schöpft. Es ist ein wahrer Genuss, den Reimkaskaden zu lauschen, die Lucien Haug in seinem Text anlegt; wie er die deutsche Sprache auswringt, um neue - sich immer wieder übereinander stapelnde - Versbilder zu dichten. Ein mitreißender Text, der die jugendliche Dringlichkeit der Liebenden unterstreicht und immer wieder neue Assoziationsräume schafft. Die Kronen Zeitung empört sich über die "obszöne Textfassung" - ein größeres Lob kann man sich nicht vorstellen, oder?
 
 
Romeo und Julia
von William Shakespeare, Übersetzung: Lucien Haug
Regie: Stefan Pucher, Bühnenbild: Nina Peller, Kostüme: Annabelle Witt, Musikalische Leitung: Christopher Uhe, Video: Ute Schall / Hannes Francke, Dramaturgie: Leonie Hahn, Licht: Manfred Grohs.
Mit: Seide Noffke, Leonard Dick, Julia Kreusch, Marcus Bluhm, Olivia Grigolli, Lukas Holzhausen, Nikolai Gemel, Samuel Simon, Felix Caspar Künzli, Dora de Goederen / Karolina Preuschl (Live-Musik).

Wir sind's, Julia. 
Der Liebe Fälschung gibt's genug. 
Du bist's. Ich bin's. 
Wir sind's Original, wir zwei. 
Und damit alles, was es geben muss.

(Romeo)

William Shakespeare

William Shakespeare (1564-1616) gilt als einer der größten Dichter und Dramatiker der Weltgeschichte. Er verfasste zahlreiche Dramen, Tragödien, Komödien und Gedichte, mit denen er schon zu Lebzeiten Anerkennung und Wohlstand errang. Aber erst in den folgenden Jahrhunderten wurde er zum Prototypen des literarischen Genies, ohne den die Entwicklung der neueren Literatur von Goethe über Brecht bis in die Gegenwart hinein undenkbar ist.

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© Uwe Heinrich

Lucien Haug

Lucien Haug, geboren 1992 in Basel, ist Autor, Dramaturg und Theatersackmesser. Er hat an der Hochschule der Künste Bern studiert und schreibt in erster Linie Stücke in deutscher und schweizerdeutscher Sprache. Eine langjährige Zusammenarbeit verbindet ihn mit dem jungen theater basel und mit Suna Gürler. Er arbeitete als Autor für das Schauspielhaus Zürich, das Maxim Gorki Theater, den Verein der Flaneure, die Junge Marie, als Regisseur für die Treibstoff Theatertage Basel, als Theaterpädagoge für die Junge Bühne Bern und Die Voyeure, als Kurator von Literaturveranstaltungen für das Festival BuchBasel und leitet verschiedenenorts Schreibwerkstätten. Oft und gerne ist er als Autor Teil des Probeprozesses und arbeitet laufend, sitzend und schlafend am Text. Wenn er nicht nach seltenen Tieren sucht, dann ist Lucien Haug Innenverteidiger des Schriftsteller*innen-Fussballnationalteams und schreibt an einem unlesbaren Roman.

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