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Ewald Palmetshofer

SANKT FALSTAFF am Burgtheater erstaufgeführt

„du hast den Staat auf eine Weise umgebaut, / mein lieber Heinz, / vor der mir graut / multiple Krisen ausgenutzt hast einen / Dauerkrisenzustand ausgerufen und dich selbst / als einzge Lösung dessen dargestellt – / da musst mal einer:eine kommen drauf“ – Am 10.05.2026 wurde Ewald Palmetshofers Neudichtung des Historienstücks KING HENRY IV am Burgtheater in Wien erstaufgeführt. Regie führte Karin Henkel, die das Stück als bildgewaltigen Danse Macabre in Szene setzte.

Dramatische Bühnenszene in Schwarz-Weiß-Ästhetik: Drei dunkle Silhouetten vor einer riesigen Totenkopf-Projektion. Nebel und harte Lichtkegel erzeugen eine düstere, theatrale Atmosphäre auf glänzendem Boden. © Tommy Hetzel

Der Staatsstreich ist geglückt. Multiple Krisen und von langer Hand geplante Umsturzszenarien haben die alte Regierung weggefegt. Wie ein Quasikönig regiert Heinrich Bolingbrock mit seinen Gefolgsleuten das Land. Doch Heinrich ist alt und krank und es ist kein geeigneter Nachfolger in Sicht. Im Schatten dieser strauchelnden Herrschaft laufen die Geschäfte in Frau Flotts Containerkneipe hingegen ausgesprochen gut. Dort schlägt sich der in jeder Hinsicht raumgreifende John mit seinem Intimfreund Harri die Nächte um die Ohren – ein ungleiches Paar, verbunden durch die gemeinsame Lust an scharfzüngiger Rede und reichlich Bier. Als Harri jedoch aus dem Zentrum der Macht ein unmoralisches Angebot erreicht, wirft das nicht nur auf die Zukunft des Staats, sondern auch auf Johns Freundschaft zu Harri ein neues Licht. Wird er mit Harri aufsteigen oder müsste er nicht vielmehr der Fortpflanzung der illiberalen Herrschaft in den Schritt fahren? Vielleicht sogar um den Preis des eigenen Untergangs?

„Verrohte Politik bringt ihre verrohten Wähler*innen hervor. Nicht umgekehrt. Wie aber widersteht man dieser Psychopolitik der Extremisierung? Vielleicht kann man ja bei John Falstaff in seiner Kneipe in die Lehre gehen, weil sein Herz in Wahrheit weiter und unbestechlicher ist, als es ihm selbst sein Erfinder Shakespeare zugetraut hat: den toxischen Zeiten zum Trotz bis in die letzte Faser hinein völlig atoxisch.“ (Ewald Palmetshofer)

 

Sankt Falstaff
von Ewald Palmetshofer
Regie: Karin Henkel, Bühne: Thilo Reuther, Kostüme: Teresa Vergho, Musik: Matthias Grübel, Video: Andrea Gabriel, Choreografie: Sabine Molenaar, Licht: Michael Hofer, Dramaturgie: Rita Thiele, Jeroen Versteele.
Mit: Birgit Minichmayr, Maria Happel, Tristan Witzel, Oliver Nägele, Bibiana Beglau, Tim Werths.

Eine Person steht zentral auf einer dunklen, nass-glänzenden Theaterbühne unter einer monumentalen, skelettartigen Deckenkonstruktion aus Rippenbögen und Totenköpfen. Sie trägt ein helles, wattiertes Kostüm und eine rosa Schweinemaske auf dem Kopf. Die kühle, bläuliche Beleuchtung und der feine Nebel erzeugen eine düstere, surreale Atmosphäre. Links im Vordergrund ist ein metallisches Gerüst angeschnitten.
© Tommy Hetzel

„ihr peitscht Affekte auf und melkt die bittre Milch aus unsren Emotionen giftigst
DAS, Heinz, ist dein Handwerk
und das deiner Sprechmaschinen
ach
wir werden uns sehr lange nicht davon erholn
und nichts, was Zukunft möglich macht, ist seit du sitzt auf deinem Thron geschehn
du stiehlst uns Zeit
und Hoffnung
Zärtlichkeit
und Liebe
auch“ (Falstaff)

© Magnus Lechner

Ewald Palmetshofer

Ewald Palmetshofer, geboren 1978 in Linz, studierte in Wien Theologie und Lehramt Philosophie / Psychologie. Der Autor und Dramaturg wurde 2008 zum Nachwuchsdramatiker des Jahres ernannt. Mit hamlet ist tot. keine schwerkraft wurde er 2008 für den Mülheimer Dramatikerpreis nominiert, 2010 mit dem Stück faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete. Mit seinem Stück die unverheiratete gewann Ewald Palmetshofer 2015 den Mühlheimer Dramatikerpreis. Die Uraufführungsinszenierung von Robert Borgmann am Wiener Akademietheater wurde außerdem 2015 zum Berliner Theatertreffen 2015. Dem folgten weitere Einladungen nach Mülheim. 2018 wurde Vor Sonnenaufgang am Theater Basel uraufgeführt und seitdem an mehr als zwanzig Häusern nachgespielt. Mit der Uraufführung von die verlorenen in der Regie von Nora Schlocker eröffnete Andreas Beck 2019 seine Intendanz am Residenztheater in München, wo Ewald Palmetshofer seit der Spielzeit 2019/20 auch als Dramaturg arbeitet.

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