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Ewald Palmetshofer
SANKT FALSTAFF am Burgtheater erstaufgeführt
Der Staatsstreich ist geglückt. Multiple Krisen und von langer Hand geplante Umsturzszenarien haben die alte Regierung weggefegt. Wie ein Quasikönig regiert Heinrich Bolingbrock mit seinen Gefolgsleuten das Land. Doch Heinrich ist alt und krank und es ist kein geeigneter Nachfolger in Sicht. Im Schatten dieser strauchelnden Herrschaft laufen die Geschäfte in Frau Flotts Containerkneipe hingegen ausgesprochen gut. Dort schlägt sich der in jeder Hinsicht raumgreifende John mit seinem Intimfreund Harri die Nächte um die Ohren – ein ungleiches Paar, verbunden durch die gemeinsame Lust an scharfzüngiger Rede und reichlich Bier. Als Harri jedoch aus dem Zentrum der Macht ein unmoralisches Angebot erreicht, wirft das nicht nur auf die Zukunft des Staats, sondern auch auf Johns Freundschaft zu Harri ein neues Licht. Wird er mit Harri aufsteigen oder müsste er nicht vielmehr der Fortpflanzung der illiberalen Herrschaft in den Schritt fahren? Vielleicht sogar um den Preis des eigenen Untergangs?
„Verrohte Politik bringt ihre verrohten Wähler*innen hervor. Nicht umgekehrt. Wie aber widersteht man dieser Psychopolitik der Extremisierung? Vielleicht kann man ja bei John Falstaff in seiner Kneipe in die Lehre gehen, weil sein Herz in Wahrheit weiter und unbestechlicher ist, als es ihm selbst sein Erfinder Shakespeare zugetraut hat: den toxischen Zeiten zum Trotz bis in die letzte Faser hinein völlig atoxisch.“ (Ewald Palmetshofer)
Sankt Falstaff
von Ewald Palmetshofer
Regie: Karin Henkel, Bühne: Thilo Reuther, Kostüme: Teresa Vergho, Musik: Matthias Grübel, Video: Andrea Gabriel, Choreografie: Sabine Molenaar, Licht: Michael Hofer, Dramaturgie: Rita Thiele, Jeroen Versteele.
Mit: Birgit Minichmayr, Maria Happel, Tristan Witzel, Oliver Nägele, Bibiana Beglau, Tim Werths.
„ihr peitscht Affekte auf und melkt die bittre Milch aus unsren Emotionen giftigst
DAS, Heinz, ist dein Handwerk
und das deiner Sprechmaschinen
ach
wir werden uns sehr lange nicht davon erholn
und nichts, was Zukunft möglich macht, ist seit du sitzt auf deinem Thron geschehn
du stiehlst uns Zeit
und Hoffnung
Zärtlichkeit
und Liebe
auch“ (Falstaff)