Theater
Fokus
Albert Ostermaier
Don’t cry - Dance!
Albert Ostermaier erzählt in MUNICH MACHINE nichts weniger als die Geschichte einer extraterrestrischen Intelligenz, die in einem Weißwurst-Ufo vor der Bayerischen Staatskanzlei landet, um sich gemeinsam mit dem sterbenden Filmpoeten Klaus Lemke und dessen Muse Amore auf einen irren Trip durch ein München der Widersprüche zu machen. Es geht vom Schellingsalon durch die Räterepublik, zu den Olympischen Spielen, dem Oktoberfest-Anschlag, durch die Disco-Ära bis zur systematischen Vertuschung der sexuellen Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche.
Dabei begegnet das Trio einer ganzen Parade von Untoten, bösen und guten Münchner Geistern wie Lenin, Hitler, Bertolt Brecht, Ludwig Thoma, Franz Josef Strauß, später Freddie Mercury, Donna Summer, Rainer Werner Fassbinder oder Helmut Dietl – und deren ambivalentem Erbe: Dystopien und verbrecherische Ideologien, gescheiterte Utopien, Auf- und Umbrüche sowie leuchtende Visionen für eine bessere Welt. Und was ist aus den gesellschaftlichen Entwürfen und Ideen für ein solidarisches Miteinander geworden, die München mal zu denken und zu träumen wagte? Sind die Utopisten an der Stadt gescheitert oder die Stadt an den Utopien? Das Residenztheater hat sich dieser Frage und Albert Ostermaiers dicht gewebtem Triptychon („Munich Howl“, „Munich Machine“ und „Munich kills me“) mit Hingabe angenommen.
Regisseur Ersan Mondtag destilliert aus Ostermaiers vielschichtiger Hymne an die bayerische Metropole ein phantastisches Bildertheater zwischen Geisterbahn und Hollywood. Das großartige Schauspielensemble glänzt mit unbändiger Spiellust und Energie. Und so erleben wir einen dieser magischen Momente, bei dem sich alles in seiner Opulenz aufs Dramatischste ergänzt: Text, Regie- und Schauspielkunst, Bühne, Kostüm, Licht und nicht zuletzt Musik. Komisch und traurig, wütend und zärtlich, hell und düster, berührend, schrecklich und wunderbar. Alles ist möglich bei diesem radikalen Reigen, der am Residenztheater zum Sound von DJ HELL getanzt wird. Schließlich tritt Albert Ostermaier mit MUNICH MACHINE selbst den Beweis an, dass München immer noch ein saftiger Nährboden für Utopien ist. Sein Stück ist ein Füllhorn an Figuren, Geschichten, Zitaten und Referenzen aller Art – und ein Appell voller „Brillanz“ (nachtkritik), endlich wieder mehr zu träumen.
„Ein schillernder Text zwischen Ironie, Ernst, Poesie, Pathos, Sprachbarock, Sprachfuror“ (Deutschlandfunk Kultur)
MUNICH MACHINE
Eine Utopie in memoriam Klaus Lemke
von Albert Ostermaier
Uraufführung
Regie: Ersan Mondtag, Bühne und Kostüme: Ersan Mondtag, Lorenz Stöger, Komposition/Musikproduktion: DJ Hell, Benedikt Brachtel, Licht: Gerrit Jurda, Video: Luis August Krawen, Dramaturgie: Michael Billenkamp, Till Briegleb.
Mit: Brigitte Hobmaier, Thomas Hauser, Myriam Schröder, Vincent Glander, Isabell Antonia Höckel, Pia Händler, Max Mayer, Cathrin Störmer, Niklas Mitteregger.
Chor: Raphaela Baumgartner, Michael Malinowski, Elias Hammler, Remy Berthomme, Alina Pulido Garcia, Jazz Schröder Cossio, Jeanne Rehe, Giorgia Capozzi, Dionysus Weber, Philipp Krüger, Christian Steinberger, Duc Phat Mac, Viviana Schmidt.
Premiere am 6. Februar 2026