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S. Fischer Theaterverlag

Goldene Aussichten: September to remember.

Der Sommer war sehr groß. Und der Herbst wird noch größer. Denn zum Spielzeitbeginn erwarten uns große Stücke, große Stoffe und große Schauspieler:innen auf großen Bühnen. Und nicht zuletzt die Uraufführung eines Medea-Marathons in Hamburg: Bettina Walther über einen September mit hoher Uraufführungsdichte.

Froschperspektive auf die helle Fassade eines historischen Gebäudes. Im Vordergrund schließt ein kunstvolles Schmiedeeisentor einen großen Bogen ab, der mit einem markanten, goldfarbenen Wappen verziert ist. © S. Fischer Verlag

Eine unserer ersten Reisen der neuen Spielzeit führt ans Hamburger Thalia Theater, wo Jorinde Dröse Annette Hess’ Erfolgsroman DEUTSCHES HAUS auf die Bühne bringen wird – und damit die Geschichte der jungen Dolmetscherin Eva, die kurzfristig zu einem Prozess gerufen wird, in dem darüber verhandelt wird, was in Auschwitz geschehen ist. Zum ersten Mal hört Eva von dem Unbegreifbaren, das die junge Bundesrepublik so gründlich unter einer wirtschaftswundernden Fassade von Normalität verborgen hält. Und plötzlich steht die brennende Frage im Raum: Haben wir wirklich von all dem nichts gewusst? 

In Karlsruhe setzt sich Autorin Lisa Sommerfeldt ebenfalls mit dem Nationalsozialismus auseinander. In ihrem Auftragswerk „familienalbum.karlsruhe“ beweist sie einmal mehr ihr Feingefühl im Umgang mit der Vertreibung und Ermordung jüdischer Familien. Anhand unzähliger Tagebuch- und Archiveinträge, Fotos und Gespräche mit Angehörigen katapultiert sie uns ins Karlsruhe der 1930er-Jahre und erzählt uns von der beschwerlichen Flucht der Familie Fuchs bis ans andere Ende der Welt. 

Passend zu unserem goldenen Theaterseptember feiert HANS IM GLÜCK (8+) von Till Wiebel am Schauspielhaus Zürich Premiere. In dieser herrlich antikapitalistischen Märchenadaption muss der Schauspieler Hans noch eine allerletzte Klassenzimmervorstellung überstehen, bevor er auf Wanderschaft geht und recht bald mittellos aber glücklich dasteht.

Das Schauspiel Köln eröffnet nicht nur die neue Spielzeit, sondern endlich auch das frisch sanierte neue Schauspielhaus – und schenkt uns gleich zwei Uraufführungen. 

Wir gratulieren herzlichst zum Einzug ins neuen Haus und zu dieser bemerkenswerten Feier der Gegenwartsdramatik! Es beginnt mit MONEYLAND von Alexander Kerlin in der Inszenierung von Kay Voges. MONEYLAND, das als Auftragsarbeit entstanden ist, widmet sich auf hochspannende Weise den Abgründen digitaler Kriegsführung und erkundet die neuen Bündnisse zwischen Techkapitalismus und rechter, autoritärer Politik. Dokumentarfilmer Noah trifft auf die Tech-Milliardärin Ava Rothbart. Es dauert nicht lange, bis die Lage eskaliert…

Nur einen Tag später folgt dann die Uraufführung von TAG UND NACHT von Roland Schimmelpfennig – in der Regie von Lily Sykes. TAG UND NACHT ist fast schon mathematisch genau um die Zahlen 2 und 4 gebaut: zwei Brüder, zwei Frauen, zwei Paare. Das eine Paar lebt auf dem Land, das andere in der Stadt. Ein raffiniertes Stück, herrlich absurd und schmerzhaft gegenwärtig, in dem sich jede Zweiteilung und jede Paarung in kollektiver Anarchie auflöst. Schade nur, dass wir noch nicht an zwei Orten gleichzeitig sein können, denn auch das Schauspielhaus Hamburg eröffnet mit einem Roland-Schimmelpfennig-Uraufführungswochenende und einem Medea-Marathon. Nach dem großen Erfolg des Antiken-Zyklus ANTHROPOLIS folgt nun FREMDE SONNE. Die Argonauten. Iason. Medea.“. In ihrer neuen Theaterserie haben sich Roland Schimmelpfennig, Regisseurin Karin Beier und Dramaturgin Sybille Meier dieses Mal die Ur-Geschichte imperialer Unternehmungen der Zivilisation vorgenommen: die Fahrt der Argonauten zur Eroberung des Goldenen Vlieses samt aller Konsequenzen dieses kolonialen Raubzuges. Großes Schauspieler:innen-Theater mit Lina Beckmann, Bjarne Mädel, Devid Striesow, Benjamin Blomberg und Wolfram Koch.

Große Vorfreude also auf einen großen und goldenen Theaterseptember - to remember.

© Lucas Wahl

Annette Hess

Annette Hess stammt aus Hannover und studierte zunächst Malerei und Innenarchitektur, später Szenisches Schreiben. Sie arbeitete als freie Journalistin, Regieassistentin sowie Drehbuchlektorin. Seit 1998 ist sie ausschließlich als Drehbuchautorin tätig. Bekannt wurde sie durch ihre Fernsehserien Weissensee, Ku’damm 56 und Ku’damm 59. Annette Hess lebt in Niedersachsen und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u. a. den Grimme-Preis, den Frankfurter Preis der Autoren sowie den Deutschen Fernsehpreis. Deutsches Haus ist ihr erster Roman.

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© Anna Breit

Alexander Kerlin

Alexander Kerlin, geboren 1980, arbeitet als Dramaturg und Autor. Seine Theaterarbeit führte ihn vom Schauspiel Dortmund über das Burgtheater ans Volkstheater in Wien. Nächste Station ist ab 2025 das Schauspiel Köln. Seine Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet. Das Stück BULLET TIME Die Erfindung des Kinos aus dem Geiste eines Mörders über die Lebensgeschichte des Fotografen Eadweard Muybridge wurde zur Spielzeiteröffnung des Volkstheaters im September 2024 in der Regie von Kay Voges uraufgeführt.

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© Adriana Jacome

Roland Schimmelpfennig

Roland Schimmelpfennig, geboren 1967 in Göttingen, ist Autor, Regisseur und vor allem einer der meistgespielten Gegenwartsdramatiker Deutschlands. Er studierte, nach einem längeren Aufenthalt als Journalist in Istanbul, Regie an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Seither schreibt er Theaterstücke für große Häuser wie das Deutsche Theater Berlin, das Burgtheater Wien, das Residenztheater München und das Schauspielhaus Hamburg – aber auch für internationale Bühnen in Stockholm, Kopenhagen, Toronto oder Tokio. Seine Theaterstücke – darunter auch viel gespielte Texte für das Kinder- und Jugendtheater - werden immer wieder mit Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem renommierten Mülheimer Dramatikerpreis. Im S. Fischer Verlag erschien zuletzt Roland Schimmelpfennigs vierter Roman Sie wartet, aber sie weiß nicht auf, auf wen.
Roland Schimmelpfennig lebt in Berlin und Valencia.


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© Janine Guldener

Lisa Sommerfeldt

Lisa Sommerfeldt schreibt Theaterstücke und Hörspiele. Als Dramatikerin sieht sie sich als Teil des erweiterten Ensembles, ihre Texte entstehen in enger Zusammenarbeit mit Dramaturgie und Regie. Zahlreiche Auftragswerke für Theater, unter anderem für die Kulturstiftung von Landestheater Eisenach und Staatstheater Meiningen, das Theater Ulm, das Theater der Stadt Aalen, das Theater Altenburg Gera und die Oper Bonn sind entstanden. Für ihre Werke wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u.a. war sie 2017 Stipendiatin der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur im Künstlerhaus Edenkoben, 18/19 Stipendiatin des 1:1 Mentoring der NRW Literaturbüros und 2019 des Künstlerhofes Schreyahn. 2020 erhielt sie ein Arbeitsstipendium des Landes NRW. Außerdem war Lisa Sommerfeldt 2021 Stipendiatin der Villa Decius in Krakau und erhielt ein INITIAL Sonderstipendium der Akademie der Künste. 2022 wurde ihr Stück „Mädchen mit Hutschachtel“ an der Badischen Landesbühne uraufgeführt. Im selben Jahr erhielt sie ein Hörspiel-Stipendium der Film- und Medienstiftung NRW. In der WDR-Audiothek kann man ihre Hörspiele „wing.suit“, „Dorfdisco“ und „stadt.land.fluss oder die konstruktion der liebe“ abrufen. Hörspiele von Lisa Sommerfeldt wurden vom Bayerischen Rundfunk, von Deutschlandfunk Kultur, ORF und RAI Südtirol (Radiotelevisione Italiana) übernommen. Stücke von ihr wurden ins Polnische, Englische, Französische und Russische übersetzt.

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© Beatrix Rinke

Till Wiebel

Till Wiebel, geboren 1994 in Ostfriesland, studierte Szenische Künste an der Universität Hildesheim und als Gaststudent Regie an der Zürcher Hochschule der Künste. Als Autor und Regisseur produziert er in verschiedenen Konstellationen Theaterarbeiten im Stadttheater und in der Freien Szene, die unter anderem beim Körber Studio Junge Regie am Thalia Theater Hamburg und beim Theatertreffen der Jugend am Haus der Berliner Festspiele zu erleben waren.

Sein Debütstück Am Wulst der Zeit wurde 2019 mit dem Autorenpreis des CumEx-Stückewettbewerbs des Studio Naxos in Frankfurt am Main ausgezeichnet und dort uraufgeführt. Mit selbigem Text wurde er zum Auftakt Festival für szenische Texte nach Köln eingeladen. Im Frühjahr 2020 war er Finalist bei den Tagen der Jungen Dramatik am Staatstheater Braunschweig. Im Rahmen des „mit+abstand“ Stipendiums vom Kinder- und Jugendtheaterzentrum der Bundesrepublik Deutschland realisierte er das partizipative Textprojekt Die Qual / Der Wal - Ein Katalog ungeschriebener Geschichten. Für sein Stück Funken wurde Till Wiebel mit dem Retzhofer Dramapreis 2021 in der Kategorie "Junges Publikum" ausgezeichnet. Mit der Spielzeit 21/22 beginnt er seine Arbeit als Dramaturg am Jungen Schauspielhaus Hamburg.

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S. Fischer Theater & Medien

Dramatisch seit 1886. Zeitgenössische Stücke und moderne Klassiker - deutschsprachig und international.

„Am Anfang war das Wort, sagte sich Samuel Fischer sicherlich. Und dieses Wort muss gelesen, gehört, gesehen und gesprochen werden. Und so entstand der S. FISCHER Theaterverlag. Und Samuel sah, dass er gut war.“ (S. FISCHER Theater & Medien)

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Digitales Textbuch