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Theater

Alexander Kerlin

Moneyland

Noah dreht einen Film. Kritisch soll er werden, denn kritisch waren seine Dokumentationen, in denen er der Gegenwart auf den Zahn fühlt, schon immer. Dieses Mal hat er sich weit rausgewagt. Mitten in der Wüste trifft er Ava Rothbart zum Interview, 15 Meter tief unter der Erde auf der Baustelle ihres neuen Luxus-Bunkers. Ava ist Tech-Milliardärin und Gründerin von Atlas Analytics, ein Unternehmen, das Militär und Polizei mit geostrategischer Software versorgt. Ihre Programme analysieren gigantische Datenmengen und sagen die Handlungen des Feindes voraus. Das hat der libertären Unternehmerin nicht nur Freunde beschert. Noahs Tochter June, idealistische Antifaschistin, steht unter Verdacht, an einem Attentat auf sie beteiligt gewesen zu sein. Für Noah entwickeln sich die Dreharbeiten im Bunker zu einem Höllentrip zwischen den Stühlen, in dem seine Werte auf die Probe gestellt werden und seine Sinneswahrnehmung zwischen Realität und Fiktion verrückt spielt. Die Lage eskaliert endgültig, als die Bunker-KI Samantha voraussagt, dass Noah ein Verbrechen an Ava begehen wird. Wer trifft hier jetzt noch die Entscheidungen? Wie verschiebt sich die Machtfrage durch den Eingriff der KI? Wie legitim ist Gewalt, die auf Gewalt antwortet, die nur vorausgesagt wurde? Das neue Stück von Alexander Kerlin widmet sich auf faszinierende Weise den Abgründen digitaler Kriegsführung und erkundet die neuen Bündnisse zwischen Techkapitalismus und rechter, autoritärer Politik. (Schauspiel Köln)

Auftragsarbeit für das Schauspiel Köln

4 D, 2 H

UA: 26.09.2026 · Schauspiel Köln · Regie: Kay Voges

Aufführungsarchiv

26
September2026
Alexander Kerlin

Moneyland

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UA

RegieKay Voges

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Alexander Kerlin

BULLET TIME

4 D, 6 H

"Muybridge war zu seiner Zeit ein weltberühmter Fotograf, er war ein maßgeblicher Wegbereiter des Kinos in Kalifornien – und er war ein Mörder aus Eifersucht, der vor Gericht freigesprochen wurde. Die zweifelhafte Begründung der Jury: Unzurechnungsfähigkeit aufgrund von Wahnsinn, der durch die Affäre des Journalisten Harry Larkyns mit seiner Ehefrau ausgelöst wurde. Flora war zwanzig Jahre jünger als Muybridge und eine frühe Feministin – man vermutet, dass sie Vorlesungen von Victoria Woodhull besuchte, die damals für die ökonomische und sexuelle Selbstbestimmtheit der Frauen eintrat.

Berühmter noch als Muybridges Name und der tödliche Schuss, den er abgefeuert hat, sind heute sicherlich seine Fotoserien von galoppierenden Pferden. Diese Serien sind in den späten 1870er Jahren in Palo Alto entstanden – ziemlich genau dort, wo heute das Silicon Valley liegt – und zwar als Auftragswerk für den berüchtigten Eisenbahn-Tycoon, Kapitalisten und Universitätsgründer Leland Stanford. Wenn man will, kann man diese Kooperation zwischen Stanford und Muybridge als eine Art Stunde Null Hollywoods und des Silicon Valley betrachten – als Stunde Null der zutiefst kalifornischen Komplizenschaft von disruptiver Technologie und Kapital." (Alexander Kerlin)

Dass die Anfänge der Bewegtfotografie und die genaue Betrachtung ihrer Protagonisten und ihrer Protagonistin nicht nur zu der berühmten Fotoserie galoppierender Pferde, sondern auch zu einem Mord führten, erzählt viel über die Besessenheit, für die Geist und Körper in ihrem Streben nach dem scheinbar Undenkbaren allzu anfällig sind.

In BULLET TIME vermischt sich die detaillierte Betrachtung eines spektakulär künstlerischen Durchbruchs mit der Banalität einer Eifersuchtstat zu einer faszinierend unterhaltsamen Erzählung über Leidenschaft, Vision, Ehrgeiz, Skrupellosigkeit, Genie und Wahnsinn.


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