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Theater
Tara Meister
was Undine weckte
Tief unten, wo einst ein Ballsaal war, ruht nun der „Wörtersee“. Hier unten treiben die Fische – genauer: die Störe. Sie stören die Ruhe, sie sind das kollektive Gedächtnis einer verdrängten Katastrophe. Doch nun regt sich etwas im Algenschaum: Undine ist wach. Der Mythos erwacht zu neuem, widerständigem Leben. Ihr Erwachen ist ein schmerzhafter Akt der Bewusstwerdung. Während die Fische versuchen, sie im schützenden Dämmerzustand zu halten, drängt Undine an die Oberfläche, hin zu „Hans“, dem ewigen Mann, und hinein in die schmerzhafte Metamorphose der Menschwerdung. Doch der Preis für Beine und eine Seele ist hoch: Es ist der Verlust der eigenen Fluidität in einer Welt aus harten Oberflächen und häuslicher Enge, in der Frau¿n zu Gefäßen und Projektionsflächen werden.
Tara Meister verwebt Motive von Ingeborg Bachmann bis H.C. Andersen zu einem dichten, poesievollen Textgewebe. Sprachlich virtuos lässt sie die Grenzen zwischen Wasser und Worten verschwimmen: ein feministischer Gegenentwurf, in dem die „kleine Meerjungfrau“ nicht still vergeht. Ein Stück voll funkelnder Wortgewalt, das fragt: Wie findet man eine eigene Stimme, ohne sich der Sprache der „Ungeheuer“ zu unterwerfen?
frei zu besetzen