Ewald Palmetshofer

die unverheiratete
7 D
UA: 13.12.2014 · Burgtheater (Akademietheater) Wien · Regie: Robert Borgmann
April 1945. Eine junge Frau ist sehr aufgebracht. Man holt eine Militärstreife.
70 Jahre später. Die junge Frau ist jetzt eine alte Frau. Ihre Tochter findet sie in der Küche auf dem Boden. Sie ist gestürzt. Sie ist sehr aufgebracht. Man holt einen Rettungswagen.
Und im Krankenhaus tagen die Ärztinnen und die Schwestern, und vor 70 Jahren tagte ein militärisches Standgericht und ein Jahr später ein Volksgericht. Und eine junge Frau wird abgeführt. „Nicht unhübsch“, schreiben die Zeitungen, „aber reuelos“.
Und während die Tochter zum Grab des Vaters Blumen bringt, sammelt die junge Enkelin die Männer wie Schmetterlinge oder Briefmarken, sammelt der Staatsanwalt Aussage um Aussage, versammelt sich das Volk um Gericht zu sitzen, liest man Äpfel auf vom Boden auf dem Feld, und verliest der Richter sein Urteil. Und eine Tochter trauert um den Vater und ein fremder Vater um den Sohn.

Zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Gefängnis und Gericht, Küche, Bett und Krankenhaus untersucht Palmetshofers Generationendrama mit einer hochartifiziellen und rhythmischen Sprache das Leben dreier Frauen. Es ist ein polymorphes Erinnern, eine Verhandlung, eine Rechtsprechung, und erzählt von der ausweglosen Verstrickung dreier Generationen in einem Netz aus Schuld und Liebe.
Übersetzt in: Czech, Lithuanian, Polish

Journal

Ewald Palmetshofer

Ewald Palmetshofer erhält den Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis 2018

11.06.2018
Der österreichische Dramatiker Ewald Palmetshofer erhält in diesem Jahr den Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird vom Pfalztheater Kaiserslautern im Auftrag der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur vergeben. Die Preisverleihung findet am 19. Oktober 2018 im Pfalztheater Kaiserslautern statt und wird von Ministerpräsidentin Malu Dreyer vorgenommen.   Nach Meinung der Jury ermöglicht Palmetshofers virtuoser und ... mehr

Ewald Palmetshofer

Schweizer Erstaufführung von die unverheiratete

01.03.2017
Ewald Palmetshofers die unverheiratete kommt zur Schweizer Erstaufführung. Nora Schlocker inszeniert das mit dem Mülheimer Dramatikerpreis ausgezeichnete Drama, das in einer hoch rhythmischen Sprache von den Verstrickungen von Schuld und Liebe und dem Hereinragen der Vergangenheit in die Gegenwart erzählt, am Theater Basel. Die Premiere findet am 23. März 2017 statt.  mehr

Kritiken

Die Unverheiratete

Die Rheinpfalz, 28.09.2015

Die Sprache ist wie immer bei Palmetshofer von kunstvoller Einfachheit, kürzelhaft poetisch durch angebrochene Sätze und ungewohnte Wortstellungen, ein jambisches Stakkato, zögerlich und dringlich zugleich, eine Getriebenheit auch beim Unausgesprochenen.  

Der Standard, 16.12.2014

Das jüngste Stück des Oberösterreichers Ewald Palmetshofer wühlt den Boden der Geschichte auf.

Schweiz am Wochenende, 25.03.2017

Ewald Palmetshofers Text (...) ist ein Aufruf die gemütlichen Polster der Alten zu durchstoßen. 

nachtkritik.de, 23.03.2017

Es ist tatsächlich wie in der »Orestie« – die Geschichte jagt die Generationen. Diese Überlagerungen von Zeit und Schuldigkeiten hat Palmetshofer ungemein genau und überzeugend konstruiert.

 

Theater Heute, Februar 2015

Diese flexible alltagsnahe Kunstsprache lässt sich mit schnellerem Tempo zu monolithischen Emotionsblöcken gießen oder in Wortsturzbäche formen, die alles wegreißen, was sich ihnen in den Weg stellt.