Kalypse hat sich zurückgezogen. Sie hat keine Lust mehr auf die Welt. Zu kompliziert. Eines Tages steht ihr Ex-Freund Detlef vor der Tür. Er hat seine neue Freundin, die Lottofee Simone, mitgebracht. Natürlich inkognito. Sie planen den politischen Umbruch für eine bessere Welt. So wie früher, als alles noch besser war. Dafür brauchen sie aber eine charismatische Führungsfigur. Kalypse würde sich eignen. Doch die winkt ab. Ganz im Gegensatz zu der einfachen Abgeordneten, die plötzlich in der Tür steht. Die kann sich das durchaus vorstellen. Leider entwickelt sie in ihrer neuen Rolle schnell autokratischen Größenwahn. Immerhin versucht sie ihn mit Fürsorge zu verharmlosen. Detlef und Simone sind einverstanden und bereit, ihr zu folgen. Als Kalypse dann auch noch eine rosige Zukunft und eine Öffnung der geschlossenen Grenzen prophezeit, machen sich die drei ungeladenen Gäste auf den Rückweg. Kalypse bleibt allein zurück. Draußen fängt es an zu brennen.
Beate Faßnacht hat mit Apropos Kalypse eine bitterböse Satire über eine auseinanderfallende Gesellschaft geschrieben. Während die einen sich im Rückzug üben, steigern sich die anderen in Allmachtsphantasien. Auslöser für die beidseitige Unzufriedenheit ist im Zweifel einfach alles: Sprache, Aussehen, Herkunft, Geschlecht ... Beate Faßnachts Figuren treffen sich zu “konspirativen Geheimtreffen” und erzählen unglaublichen Blödsinn. Und den glauben sie sich dann auch noch. Das ist sehr lustig, wenn es nicht gleichzeitig so traurig wäre, dass daraus eine ganz reale Gefahr entsteht.
“Ich bin in freiwilliger Isolation. Schon lange. Mein Äußeres erscheint ein wenig ungepflegt - aber ich stinke nicht. Da bin ich mir ganz sicher. Meine Kleidung ist überwiegend in Schwarz gehalten, aber keiner bestimmten Jahreszeit zuzuordnen. Für den Sommer zu warm, für einen strengen Winter fast ein bisschen zu kalt … aber ich scheine mich wohlzufühlen. Von der Trauer, die mich umgibt, einmal abgesehen. Ein schwarzer Schleier verdeckt mein Gesicht. Er ist an einem Hut – oder Ähnlichem – befestigt. Für die Zuschauenden hebe ich den Schleier natürlich. Sonst sieht man die Schauspielerin ja gar nicht. Ich werde in jedem Fall von einer Frau gespielt! Da bestehe ich drauf. Alles, was recht ist. Vor mir ein Glas mit einer Flüssigkeit – vermutlich Wein. Bin mir aber nicht sicher. Betrunken bin ich jedenfalls nicht. Noch nicht.” (Apropos Kalypse)