Inga hält es nicht mehr aus. Der 70. Geburtstag ihrer Mutter ist eine einzige Groteske. Dieser Protz, dieser Prunk, die fetten Vanillemacarons, die kackbraune Soupe de châtaignes, vor allem aber diese demütigende Rede ihrer Mutter veranlassen Inga, das Weite zu suchen. Sie rennt einfach davon, rennt und rennt, bis sie am Rand eines Ackers zusammensackt, ihr cremefarbenes Kleid ruiniert. Ein junger Mann eilt ihr zu Hilfe. Er heißt Boi und interessiert sich für Pflanzen. Ein Gespräch entwickelt sich, das harmlos beginnt, bald aber immer intensiver wird. Inga hat längst intime Details aus ihrem Leben preisgegeben, da befällt sie der Verdacht, dem Jungen vielleicht doch nicht ganz unbekannt zu sein. Irgendwas will er von ihr.
"Beim Schreiben von Meine Königin hat mich besonders interessiert, was uns verrückt erscheint und wieso. Wodurch wird ein Gespräch, das zunächst banal erscheint, zur bedrohlichen Traumreise, auf der Wahrheit und Täuschung verwischen. Was, wenn die Sehnsucht nach Liebe und gegenseitigem Verständnis rankt wie eine giftige Pflanze?" (Caren Jeß)
Wie können wir umgehen mit dem, was jenseits der Norm liegt und unvorstellbare Blüten treiben kann? Caren Jeß findet dafür Bilder und erzählt parallel von Schlössern, die durch Vorstellung existieren, von Vögeln, die durch Phantasie zum Leben erweckt und von Pflanzen, die durch Gedanken zum Ranken gebracht werden müssen. Meine Königin ist eine Liebeserklärung an das grenzüberschreitende Denken. Und gleichzeitig die zärtliche Betrachtung von zwei Menschen, die sich trotz aller Verschiedenheit berührend fürsorglich zueinander verhalten können.