Ewald Palmetshofer

NEU
Fall Falstaff
Auftragsarbeit für das Residenztheater München
UA: 2021/22 · Cuvilliéstheater im Residenztheater · Regie: Nora Schlocker
"Falstaff ist der ungekrönte König der Kneipen. Seine Zunge ist ein Schwert, sein Bierbauch ein Panzer. Kein guter Umgang für die junge Elite des Landes – insbesondere für den Thronfolger, den Sohn König Heinrichs IV. Mit dem wortgewandten, spitzzüngigen, saufenden, herumvögelnden Faulenzer und Aufschneider Falstaff hat Shakespeare eine Figur geschaffen, die all das vereint, was der herrschenden Ordnung, dem kalten Kalkül und der kriegstreiberischen Ausbeutung der Körper widerspricht. Der Fleischberg stört! Und so scheint es nur konsequent, dass selbst Shakespeare den beim Publikum populären Widerborst Falstaff am Ende von »König Heinrich IV.« zwar werbewirksam für sein Folgestück »König Heinrich V.« ankündigt, ihn in der Fortsetzung aber als bloße Fußnote der Geschichte wegwischt. Der schmutzende Mensch hat im Reich des Gelingens keinen Auftrag.

Der mehrfach ausgezeichnete Dramatiker Ewald Palmetshofer versammelt in seinem neuen Stück Figuren und Motive aus Shakespeares Historiendramen um den Usurpator König Heinrich IV., seinen Sohn, den späteren König Heinrich V., und den Antihelden Falstaff und erzählt in einer hochmusikalischen Sprachpartitur von Liebe, Demütigung und Verrat – vom Aufstieg des einen und Fall des anderen." (Residenztheater München)

"Falstaff ist Exzess. Er ist das überbordende Zu-viel-an-allem, Überschuss, der keinen Gewinn abwirft. Solange es Spaß macht, kann man sich so einen Falstaff schon leisten. Da lassen sich die Herrschaften gerne zu ihm herab. Was haben wir gelacht. Aber – das muss man bitte verstehen – nach dem eigenen Aufstieg ist dieses Schwergewicht untragbarer Ballast geworden. Hat jemand von Gleichheit gesprochen? Ein Missverständnis. Sorry, dear!" (Ewald Palmetshofer)

Achtung: Das Stück ist in der Entstehung und kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verschickt werden.

Journal

Ewald Palmetshofer

VOM FEHLEN DER ANDEREN ORTE – Ein Essay von Ewald Palmetshofer

12.03.2021
"Wir brauchen Orte, an denen wir uns anders erleben" Dieses Zitat von Ewald Palmetshofer prangt an der Fassade des Residenztheaters in München. Vor einem Jahr mussten das Resi und viele andere Theaterhäuser zum ersten Mal pandemiebedingt die Türen für ihr Publikum schließen. Der Dramatiker Ewald Palmetshofer hat zu diesem Anlass einen Text geschrieben, der in ... mehr