Alexander Müller-Elmau

Foraminifere
Einakter
7 Darsteller, 1 Dek
UA: 08.05.1994 · Staatstheater Stuttgart · Regie: Hans-Ulrich Becker
Graubünden, das Jahr 1812. Ein schummriger Raum, Asche in seiner Mitte, tote Krähen liegen herum. Menschen sitzen dort, gekleidet in verfaulende Gewänder. Sie schwitzen, haben geschwollene Bäuche.
Endzeit, die Gewissheit des Untergangs. Gespräche über den Zustand der Welt, reduziert, verknappt, verdichtet, wie der Raum, in den immer wieder tote Krähen stürzen. Den Menschen bleibt der Furz: Die Blähung schafft momentan das Identisch-Sein mit sich selbst.
Vorübergehend, gerade solange, bis die nächste Krähe fällt: Dann ist es wieder, wie es ist. Erwartet wird nichts mehr, erfahren wird nichts mehr. Was bleibt, ist die Gewissheit der Endzeit.
FORAMINIFERE ist eine theatralische Endzeitvision, die ihre Vorbilder nicht leugnet, jedoch ihre Eigenständigkeit bewahrt hat. Der Text beschwört eine klaustrophobische Enge und eine Atmosphäre (Zeit und Ortsangabe sind willkürlich), der man sich nur schwer entziehen kann. Auch die Sprache erinnert in ihrer Begrenztheit an die Enge der Situation, einer Litanei ähnlich, die sich bis zur sakralen Repetition steigert.
Übersetzt in: French