Roland Schimmelpfennig

Siebzehn Skizzen aus der Dunkelheit
nach dem REIGEN von Arthur Schnitzler
Auftragsarbeit für das Staatstheater Stuttgart
1 D, 1 H, oder viele, viele mehr
UA: 24.04.2021 · Staatstheater Stuttgart · Regie: Tina Lanik
Schnitzlers Reigen bildet die verlogene Sexualmoral eines ausgehenden Jahrhunderts ab, zeigt, was nicht gezeigt werden sollte. Um dann für lange Zeit nicht auf den Bühnen gezeigt werden zu dürfen. Aber das ist längst Vergangenheit, wir leben in einer liberalen und toleranten Gesellschaft. “Anything goes” hat den Menschen des 21. Jahrhunderts aus allen Zwängen befreit.
Oder etwa nicht? Werden wir noch immer angetrieben von einer Macht, die kein äußeres, dafür ein inneres Diktat ist? Was führt uns zusammen, treibt zwei Menschen für einen kurzen Augenblick, eine Szene lang, in die Arme des anderen? Um dort was zu finden? Trost, Zuversicht, Macht, Freiheit? Ist da am Ende gar Liebe, wenn Liebe gemacht wird? In Roland Schimmelpfennigs Bearbeitung des Reigen verstricken sich die Figuren ineinander und geben sich die Hand, und sie alle kommen uns gefährlich vertraut vor. Mal spenden sie Trost, sie geben sich hin, sind Zyniker, machtgeil und verletzlich. Opfer und Täter - und manchmal beides zugleich. Es ist ein ewiger Tanz. Nur die Musik ist eine andere.

"Es ist auffällig, wie häufig Schimmelpfennig Kriegsmetaphern zitiert, wie er verstörende Bilder zeichnet, in denen er die sexuelle Konnotation von Gewalt und Zerstörung offenlegt und dabei mit der verführerischen Faszination von Grenzüberschreitungen spielt. (...) Schimmelpfennig entlarvt männliche Sexualfantasien und erzählt von der Angst der Männer vor dem Kontrollverlust. Er beschreibt eindeutige Situationen von Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt gegen Frauen. Aber er zeigt auch die ethischen Graubereiche und ihre emotionalen Ambivalenzen." (Ingoh Brux über SIEBZEHN SZENEN AUS DER DUNKELHEIT im Theater heute Jahrbuch 2020)

Journal

Roland Schimmelpfennig

Uraufführung: SIEBZEHN SKIZZEN AUS DER DUNKELHEIT nach Arthur Schnitzlers „Reigen“ von Roland Schimmelpfennig

16.07.2021
In Roland Schimmelpfennigs Bearbeitung des Reigen verstricken sich die Figuren ineinander und geben sich die Hand, und sie alle kommen uns gefährlich vertraut vor. Mal spenden sie Trost, sie geben sich hin, sind Zyniker, machtgeil und ... mehr

Kritiken

Süddeutsche Zeitung

Schimmelpfennigs Qualität ist es, vieles im Vagen zu belassen - und doch Abgründe auszuleuchten und etwa fein die Blessuren abzustecken, die der Soldat im Kriegseinsatz erfahren hat. Dass dieser Abend grandios gerät, ist aber auch der exzellenten Inszenierung von Tina Lanik zu verdanken [...].

Deutschlandfunk

Das Stück von Schimmelpfennig [ist] sehr stark und auch sehr differenziert. ... Wir haben diese Sexualität im Ziechen des Missbrauchs, aber es gibt eben auch die Sexualität, die im Zeichen der spätmodernen, individualisierten Gesellschaft reflekiert wird.

Deutschlandfunk Kultur

Es geht Roland Schimmelpfennig darum, mit der Vorlage in kritischen Austausch zu treten, nach den Motiven hinter den Motiven zu fragen: Was treibt die Figuren eigentlich an?

Südwest Presse

Schimmelpfennig verpflanzt diesen Totentanz in die Gegenwart, zeigt heutige Heucheleien und Abhängigkeiten aus der Dunkelzone zwischen Freiheitsdrang, Dienstleistung und Missbrauch.