Henning Mankell

Lampedusa
(Lampedusa)
Deutsch von Hansjörg Betschart
2 D, 1 H
UA: Februar 2006 · Dramaten, Stockholm
DSE: 27.10.07 · Deutsches Schauspielhaus, Hamburg (in Kopr. mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen) · Regie: Dominique Schnizer
Anna, junge Fernsehmoderatorin einer Talk-Show, hat die fünfunddreißigjährige Titania zu Gast. Kurz vor der Live-Sendung sprechen sie noch einmal durch, was Thema sein soll. Titania ist eine aus Sambia gebürtige Muslimin. Obwohl sie erst fünf Jahre alt war, als die Familie zunächst nach London und dann nach Schweden zog, weiß sie zu berichten, wie ihre Familie in Sambia die schwarzen Angestellten ausgebeutet und schlecht behandelt hat. Der Beweggrund für die Flucht von dort war die Angst, die entstand, als Idi Amin im benachbarten Uganda begann, die nicht-schwarze Bevölkerung zu verfolgen.

Wie schon diese Geschichte der Familie die Grenze zwischen Opfern und Tätern schwer ausmachen lässt, erweist sich Titania insgesamt als schwierige Kandidatin für Anna, die hofft, durch die Schilderung der Unterdrückung muslimischer Frauen Quote zu machen.

Aber Titania ist selbstbewusst und gebildet. Sie hat als Wissenschaftlerin eine gute Arbeit und ein Einkommen, das ihr den Kauf einer Eigentumswohnung ermöglichte. Sie ist westlich gekleidet und äußerlich integriert. Gleichzeitig hält sie aber fest an ihrer Religion, auf ihre Weise. "Ja. Ich bete. Fünfmal pro Tag. Ich befolge alle Rituale. Selbst wenn ich spät ins Bett gehe, stehe ich punkt fünf Uhr in der Früh auf, wasche mich und bete. Aber ich gehe in keine Moschee. Ich bete zu Hause."
Titania ihrerseits hat einen anderen Beweggrund, sich in Annas Sendung zu präsentieren. Sie liebt eine Frau, die auch Muslimin ist; bislang führen sie ihre Beziehung in großer Heimlichkeit, aber Titania will sie öffentlich machen. Ihre Angst ist groß, sie weiß, dass sie riskiert, angefeindet, ja mit dem Tod bedroht zu werden ...