Anne Haug

MILF
Auftragsarbeit im Rahmen des Stücklabors am Theater Basel
2 D, 1 H
UA: 21.05.2022 · Theater Basel · Regie: Sahar Rahimi
Tamara lebt mit ihrem Mann und ihren drei Töchtern die perfekte Familienidylle: Dominik, der liebevolle Vater, der als Chirurg das Geld nach Hause bringt, Tamara, die bestrebte Hausfrau, die als „Charity-Lady“ den Kleinstadt-Schönheitswettbewerb organisiert und ihre drei Prinzessinen dafür trainiert. Jeden Abend verwöhnt Tamara ihre Familie mit Dominiks Lieblingsgericht, einem Nudelauflauf, mit besonderer Fleisch-Einlage. Als Tamaras große Liebe Kat nach 22 Jahren plötzlich in der Küche steht, findet sich Tamara zwischen ihrem sexuellen Begehren und den eigenen sowie zugeschriebenen Erwartungen an die Ehefrau und Mutter wieder. Die Monotonie der heteronormativen Familienroutine wird durch Kats Rückkehr aufgebrochen und zur Disposition gestellt. Sowohl Tamara als auch Dominik erfahren durch Kat eine Konfrontation mit ihren eigenen Werten, Emotionen und ihrer Vergangenheit. Im Gegensatz zur aus männlicher Sicht entstandenen Bedeutung des Akronyms MILF - „Mother I’d Like To Fuck“ - stellt Anne Haug hier die begehrende Mutter aus feministischer Perspektive diesem entgegen, um den Begriff spielerisch zu überschreiben. Zwischen der überzeichneten Rolle der Frau von Schönheitsideal bis beschützende Mutter und horrorfilmartiger Atmosphäre werden Klischees lustvoll bis ins Absurde getrieben.

Für MILF erhält Anne Haug den Schiller-Gedächtnis-Förderpreis 2022.
In der Pressemitteilung des Landes Baden-Württemberg heißt es: Die Autorin Anne Haug schildert in ihrem Stück MILF den Umgang mit tradierten Rollenverteilungen in der Familie und dem Versuch, aus der abstrus erscheinenden Mutterrolle auszubrechen.

Kritiken

MILF

bz Basel

Ein klassisches Mittelstandsdrama, wäre da nicht die symbolträchtige Inszenierung. Denn Haug und Rahimi verstehen ihr Stück als feministisches Werk, und so überspitzen sie die Rollen der Frauen jenseits vom Schön- und Muttersein bis ins Absurde. (…) Der Abend überzeugt mit grässlichen Frauenrollen, die es in dieser drastischen Explizitheit nur selten zu sehen gibt.

Stadtschreiber

Die Inszenierung geht bewusst an die Grenzen des Erträglichen. Sie fasziniert aber auch durch eine stringente formale und ästhetische Linie, die sich durch den Abend zieht.

Deutschlandfunk Kultur

Eine Geschichte von Besitz und Eifersucht. Eine kleine Idee mit einer starken Inszenierung. Die Regisseurin Sahar Rahimi macht aus dem Text einen sehr aufregenden Abend. (…) Ein Abend, der sehr musikalisch gedacht ist und viele musikalischen Überraschungen birgt.