Nicky Silver

Pterodactylus
Stück in 2 Akten
(Pterodactyls)
Deutsch von Bettina von Leoprechting / Inge Greiffenhagen
2 D, 3 H, 1 Dek
UA: 11.11.1993 · Vineyard Theatre, New York · Regie: David Warren
DSE: 22.12.1995 · Bayerisches Staatsschauspiel, München · Regie: Gerd Heinz
Was tun, wenn der verlorene Sohn heimkehrt mit der Nachricht "Ich habe Aids"? Schreien, weinen, ihn verfluchen? "Wir machen ein kaltes Büffet. Das wird nett", entgegnet Mutter Duncan ihrem Sohn Todd, der nach fünf Jahren in der Fremde standesgemäß mit einer Party begrüßt werden soll - da lässt sich die Mutter nicht beirren. Doch der aidskranke Sohn scheint in dieser Familie ohnehin eher zu den kleineren Problemen zu gehören. Mutter Grace ist dem Kaufrausch verfallen und trinkt; Vater Arthur hat seinen Job als Banker verloren und schwindelt sich und seiner Familie vor, jeden Tag weiter zur Arbeit zu gehen; Schwester Emma ist tablettensüchtig und hat sich einen Verlobten angelacht, Tommy, der nicht nur sozial unpassend ist, nämlich Kellner, sondern auch sexuell, nämlich schwul. Als Todd im Garten das Skelett eines Dinosauriers ausgräbt und es im Wohnzimmer neu aufbaut, schafft er damit einen ständigen Stein des Anstoßes und ein Symbol für den unausweichlichen Niedergang der Familie Duncan.

"In knappen Sätzen lässt Silver die Figuren komisch aneinander vorbeireden, die Mutter lästert über ihre Bekannten, der Vater schwärmt vom Baseball; was früher mal ein Problemstück gewesen wäre, präsentiert sich heute als Phänomenologie des Trash ... 'Man sollte die Möglichkeit der Kommunikation nicht überschätzen', sagt Silver, 'aber wenn du deine Sache gut machst, schaffst du es vielleicht, den Leuten eine Wahrheit zu vermitteln, die sie nicht hören wollen - oder sogar zwei.' Bei Pterodactylus heißt diese Wahrheit: Die Spezies Mensch ist dabei, sich selbst auszulöschen - so wie einst die Dinosaurier verschwanden ... Schwarze Pointe der Silver-Komödie: Die Mama krepiert am Alkohol, die Tochter erschießt sich, und Papa sucht das Weite. Der HIV-Infizierte Todd steht als Sieger auf Zeit im Ring - Aids stärkt die Überlebenskraft." (Der Spiegel)