Theater
Fokus
S. Fischer Theaterverlag
Im Frühjahr ist ‘Mehr Drama!’
Es fängt schon mal gut an: Nämlich mit “Mehr Drama!” beim Theatertreffen. Ein brandneues Format, in dessen Mittelpunkt die Gegenwartsdramatik steht. Autor*innen wie z.B. Ferdinand Schmalz oder Sasha Marianna Salzmann haben aufstrebende Dramatiker*innen ausgewählt, deren Texte im Rahmen des Berliner Theatertreffens präsentiert werden. Mit dabei: ON THE RIGHT SIDE von Sharon Dodua Otoo. Ein kluges und humorvolles Drama über die Suche nach Sprache und unsere Gegenwart in Deutschland.
Unter den 10 bemerkenswertesten Inszenierungen, die zum diesjährigen Berliner Theatertreffen eingeladen sind, findet sich auch Carl Zuckmayers deutsches Märchen DER HAUPTMANN VON KÖPENICK, von Sebastian Hartmann und seinem großartigen Ensemble mit dekonstruktiver Kraft und viel abgründigem Witz auf die Bühne des Staatstheater Cottbus gebracht.
"Fahren Sie sofort nach Cottbus!" urteilte nachtkritik anlässlich der Premiere. Jetzt heißt es also: auf nach Berlin! Allerdings gibt es hier einen Terminkonflikt, denn am selben Abend werden die Mülheimer Theatertage eröffnet, u.a. mit der Verleihung zweier Preise an die doppelte Vorjahres Gewinnerin Maria Milisavljevic, die für ihr Stück STAUBFRAU in der Züricher Inszenierung von Anna Stiepani nicht nur den Mülheimer Dramatikpreis, sondern auch noch den Publikumspreis gewann!
Im diesjährigen Mülheim Wettbewerb sind gleich drei unserer Autor:innen vertreten. Mülheim Preisgewinnerin Caren Jeß mit ihrem überbordenden Text TO MY LITTLE BOY, über die allgegenwärtige und absolute Überforderung - inszeniert von Marie Bues für das Hamburger Thalia Theater. Bereits zum zweiten Mal nominiert, ist auch Lukas Rietzschel - diesmal mit seiner klugen Tschechow-Reflexion DER GIRSCHKARTEN in der Leipziger Inszenierung von Enrico Lübbe. Und last but not least wird Uta Bierbaums herzzerreißendes Stück HEUTE NACHT UM 3:34 UHR über häusliche Gewalt im Programm der KinderStücke gezeigt.
Jede Menge Gelegenheiten also, die neue Dramatik in Mülheim zu feiern - oder auch beim Heidelberger Stückemarkt. Denn dort wird Anaïs Clercs viel gespieltes Stück FAULENDER MOND zu sehen sein - als Gastspiel des Volkstheater München. Auch das Gewinner Stück des FIDENA-Preises 2025 schauen wir uns in Heidelberg an: FUẞNOTEN AUS DEM SPÄTEN 21. JAHRHUNDERT von Svealena Kutschke als Puppentheater Produktion des Musiktheaters im Revier.
Auf keinen Fall verpassen werden wir Radikal jung, das Münchner Festival, bei dem die bemerkenswerten Inszenierungen der neuen Regie-Generation eingeladen sind. Ganz vorne dabei Milena Michaleks Perspektive auf Dostojweskis DER IDIOT, die sie für das Theater Münster erarbeitet hat.
Viele schöne Gründe, von Theater zu Theater zu ziehen. Wir springen einfach rein ins dramatische Frühjahr und tanzen die lauen Premierennächte durch - bis zum nächsten Festivalglück!