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S. Fischer Theaterverlag

Im Frühjahr ist ‘Mehr Drama!’

Für uns ist der Frühling die schönste Zeit des Jahres - nicht zuletzt wegen der vielen Theater-Festivals, auf denen das Drama gefeiert wird. Am schönsten ist es, wenn unsere Autor:innen besonders zahlreich in Berlin, Mülheim oder Heidelberg vertreten sind - so wie in diesem Jahr. Bettina Walther feiert den Spring Break 2026!

Haus der Berliner Festspiele, Berlin. Am Haupteingang links des großen, zweistöckigen Gebäudes mit Glasfassade und hellen, rauen Fassadenteilen steht eine schwarze Informationstafel. Rechts ein Pavillon. Bäume davor. © Fabian Schellhorn

Es fängt schon mal gut an: Nämlich mit  “Mehr Drama!” beim Theatertreffen. Ein brandneues Format, in dessen  Mittelpunkt die Gegenwartsdramatik steht. Autor*innen wie z.B. Ferdinand Schmalz oder Sasha Marianna Salzmann haben aufstrebende Dramatiker*innen ausgewählt, deren Texte im Rahmen des Berliner Theatertreffens präsentiert werden. Mit dabei: ON THE RIGHT SIDE von Sharon Dodua Otoo. Ein kluges und humorvolles Drama über die Suche nach Sprache und unsere Gegenwart in Deutschland.  

Unter den 10 bemerkenswertesten Inszenierungen, die zum diesjährigen Berliner Theatertreffen eingeladen sind, findet sich auch Carl Zuckmayers deutsches Märchen DER HAUPTMANN VON KÖPENICK, von Sebastian Hartmann und seinem großartigen Ensemble mit dekonstruktiver Kraft und viel abgründigem Witz auf die Bühne des Staatstheater Cottbus gebracht. 

"Fahren Sie sofort nach Cottbus!" urteilte nachtkritik anlässlich der Premiere. Jetzt heißt es also: auf nach Berlin! Allerdings gibt es hier einen Terminkonflikt, denn am selben Abend werden die Mülheimer Theatertage eröffnet, u.a. mit der Verleihung zweier Preise an die doppelte Vorjahres Gewinnerin Maria Milisavljevic, die für ihr Stück STAUBFRAU in der Züricher Inszenierung von Anna Stiepani nicht nur den Mülheimer Dramatikpreis, sondern auch noch den Publikumspreis gewann! 

Im diesjährigen Mülheim Wettbewerb sind gleich drei unserer Autor:innen vertreten. Mülheim Preisgewinnerin Caren Jeß mit ihrem überbordenden Text TO MY LITTLE BOY, über die allgegenwärtige und absolute Überforderung -  inszeniert von Marie Bues für das Hamburger  Thalia Theater. Bereits zum zweiten Mal nominiert, ist auch Lukas Rietzschel - diesmal mit seiner klugen Tschechow-Reflexion DER GIRSCHKARTEN in der Leipziger Inszenierung von Enrico Lübbe. Und last but not least wird Uta Bierbaums herzzerreißendes Stück HEUTE NACHT UM 3:34 UHR über häusliche Gewalt im Programm der KinderStücke gezeigt.  

Jede Menge Gelegenheiten also, die neue Dramatik in Mülheim zu feiern -  oder auch beim Heidelberger Stückemarkt. Denn dort wird Anaïs Clercs viel gespieltes Stück FAULENDER MOND zu sehen sein - als Gastspiel des Volkstheater München. Auch das Gewinner Stück des FIDENA-Preises 2025 schauen wir uns in Heidelberg an: FUẞNOTEN AUS DEM SPÄTEN 21. JAHRHUNDERT von Svealena Kutschke als Puppentheater Produktion des Musiktheaters im Revier

Auf keinen Fall verpassen werden wir Radikal jung, das Münchner Festival, bei dem die bemerkenswerten Inszenierungen der neuen Regie-Generation eingeladen sind. Ganz vorne dabei Milena Michaleks Perspektive auf Dostojweskis DER IDIOT, die sie für das Theater Münster erarbeitet hat. 

Viele schöne Gründe, von Theater zu Theater zu ziehen. Wir springen einfach rein ins dramatische Frühjahr und tanzen die lauen Premierennächte durch - bis zum nächsten Festivalglück!

© Moritz Geiser

Milena Michalek

Milena Michalek wurde 1993 in Wien geboren und wuchs in Hannover und Dresden auf. Sie studierte Philosophie in Wien und arbeitet als Autorin und Regisseurin. Seit 2014 feierten diverse Stücke von ihr Premiere, vor allem in der freien Szene Wiens, u. a. am Theater Drachengasse, Kosmos Theater, Theater Nestroyhof Hamakom und am Landestheater Niederösterreich.
Sie schreibt für das Theater und entwickelt Stücke mit verschiedenen Ensembles und mit ihrem Theaterkollektiv YZMA, das sie 2014 mitbegründete.
2020 erhielt ihre Stückentwicklung SCHWIERIGES THEMA eine Einladung zu den AutorenTheaterTagen am Deutschen Theater Berlin. DAS HIER schrieb sie im Rahmen der derselben. 2021 nimmt sie am Internationalen Forum des Theatertreffens teil.

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© Dorothea Tuch

Svealena Kutschke

Svealena Kutschke, geboren in Lübeck, studierte Kulturwissenschaften und lebt heute in Berlin. Sie ist Schriftstellerin und Dramatikerin. Sie hat bisher fünf Romane veröffentlicht, zuletzt Gespensterfische im Frühjahr 2025 im Schöffling Verlag.
Ihr erstes Theaterstück zu unseren füßen, das gold, aus dem boden verschwunden zählt zu den drei Gewinnertexten der Autor*innentheatertage 2019.
Svealena Kutschke wurde mit dem Förderpreis zum Schiller-Gedächtnispreis 2019 und mit dem Hebbel-Preis 2022 ausgezeichnet. No Shame in Hope (eine Jogginghose ist ja kein Schicksal) war für den Autor*innenpreis des Heidelberger Stückemarkts 2023
nominiert und wird vielfach nachgespielt. 2023 war sie Stipendiatin in der Kulturakademie Tarabya in Istanbul und des Goethe-Instituts Bejing in Nanjing. Die Arbeit an Gespensterfische wurde gefördert durch das Arbeitsstipendium 2024 des Literaturfonds Darmstadt, das Arbeitsstipendium 2023 des Berliner Senats und mit einem Aufenthaltsstipendium der Stiftung Döblin Preis 2022.
Ihr neues Stück Fußnoten aus dem späten 21. Jahrhundert war zum Heidelberger Stückemarkt 2025 eingeladen und wurde mit dem FIDENA Stückepreis ausgezeichnet.




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© Inke Johannsen

Anais Clerc

Anaïs Clerc (*in Fribourg, Schweiz). Viele Kühe, zu wenig von allem. Studiumsversuche auf Lehramt und in Sozialpädagogik / alle wollen etwas werden, Anaïs fand es anstrengend, zu sein.
Sie fand durch Jugendprojekte und einen pädagogischen Zugang zum Theater und studierte Szenisches Schreiben an der Universität der Künste in Berlin. Seit drei Jahren sind ihre Texte u. a. am Volkstheater München, am Salzburger Landestheater, am Schauspiel Essen und an den Autor:innentheatertagen am Deutschen Theater Berlin zu sehen.
In der Spielzeit 2022/23 absolvierte sie das Förderprogramm Dramenprozessor des Theater Winkelwiese in Zürich und gewann zeitgleich mit der Stückentwicklung befristet/ für immer, eine Arbeit mit dem Regisseur Tanju Girisken, den Publikumspreis des Körber Festival Junge Regie. 2023/24 war sie Hausautorin an den Bühnen Bern und wurde mit brennendes haus für den Autor*innenpreis des Heidelberger Stückemarkts nominiert.
Kurz danach gewinnt der Text in der Inszenierung von Amelie von Godin, mit der sie eine längere Zusammenarbeit verbindet, den Nachwuchswettbewerb des Theater Drachengasse in Wien.
In ihren Texten setzt sie sich mit sozialer Ungerechtigkeit, politischen Fragen und konkreten Figuren, die oft auf wahren Begegnungen basieren, auseinander. Anaïs arbeitet gerne in Stückentwicklungen und gemeinsamen Prozessen.
Sie ist ausserdem für Kinder - und Jugendtheater als Jurorin tätig und gibt regelmässig
Schreibworkshops an Schulen. Seit April 2025 ist sie Inhaberin des Schweizer Literaturstipendium der Lydia-Eymann-Stiftung und arbeitet an ihrem ersten Roman SCHLUCHTEN (AT). Anaïs lebt in Berlin und in der Schweiz.

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© Verena Brüning

Uta Bierbaum

Uta Bierbaum ist ausgebildete Schauspielerin und Autorin, von 2012 bis 2016 studierte sie Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. Ihre Stücke wurden mehrfach ausgezeichnet, unter anderem erhielt sie 2015 den Chemnitzer Theaterpreis für die zärtlichkeit der Hunde sowie den Publikumspreis des Autorenwettbewerbs St.Gallen/Konstanz.
die schweizer krankheit erhielt Nominierungen für den Heidelberger Stückemarkt (2013), für den Autorenwettbewerb des Schauspiel Essen (2014), außerdem eine Einladung zu den Autorentheatertagen am Deutschen Theater Berlin (2013).
Sie schreibt für Berliner Bühnen wie die Neuköllner Oper, (UA Exit Paradise 2014), die Deutsche Oper (UA Neue Szenen III 2017 und UA Neue Szenen IV 2019), außerdem auch vermehrt für das Kinder- und Jugendtheater. Für das Berliner Jugendtheater Strahl schrieb sie die Auftragsarbeit Hasen-Blues. Stopp. (UA 2016), es folgte eine Stückentwicklung im Autorenkollektiv mit drei weiteren AutorInnen: #BerlinBerlin (UA 2018) erhielt eine Nominierung für den Jugendtheaterpreis Ikarus sowie den Friedrich-Luft Theaterpreis, als beste Berliner Inszenierungen des Jahres 2018.

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© Christine Fenzl

Lukas Rietzschel

Lukas Rietzschel, geboren 1994 in Räckelwitz in Ostsachsen, lebt in Görlitz. 2012 wurde sein erster Text im ZEIT Magazin veröffentlicht, seitdem folgten Veröffentlichungen in verschiedenen Anthologien. 2017 war er Gewinner bei poet|bewegt. Für das Manuskript seines Romandebüts Mit der Faust in die Welt schlagen (Ullstein Buchverlage / Ullstein fünf) wurde er 2016 mit dem Retzhof-Preis für junge Literatur ausgezeichnet.

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© Stefanie Loos

Caren Jeß

Caren Erdmuth Jeß, geboren 1985 in Eckernförde, studierte Deutsche Philologie und Neuere deutsche Literatur in Freiburg i.Br und Berlin. Als Dramatikerin trat sie das erste Mal 2017 in Erscheinung, als sie mit ihrem Stück Deine Mutter oder Der Schrei der Möwe den dritten Platz des Osnabrücker Dramatikerpreises belegte. 2018 gewann sie die Residency des Münchner Förderpreises für deutschsprachige Dramatik mit Bookpink. Mit der Grazer Uraufführungsinszenierung von Bookpink wurde sie 2020 für den Mülheimer Dramatikerpreis nominiert und zur Nachwuchsdramatikerin des Jahres erklärt. Im Jahr davor gewann sie außerdem den Else-Lasker-Schüler-Stückepreis für ihr Stück Der Popper und den Preis der taz-Publikumsjury des 26. open mike für Die Ballade von Schloss Blutenburg. 2023 gewann sie für das Stück Die Katze Eleonore in der Produktion des Staatsschauspiel Dresden den Mülheimer Dramatikpreis sowie den Publikumspreis der Mülheimer Theatertage. Caren Jeß lebt in Dresden.

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© Linda Rosa Saal 2018

Maria Milisavljevic

Maria Milisavljevic, geboren 1982 in Arnsberg, studierte Englische Kulturwissenschaften, Englische Literatur und Kunstgeschichte. Vor und während ihres Studiums arbeitete sie in der freien Szene und hospitierte an verschiedenen Theatern in Deutschland und London. Milisavljevic promovierte über Autorentheater am Londoner Royal Court Theatre. Von 2011 bis 2015 war sie am Tarragon Theatre in Toronto als Regie- und Dramaturgieassistentin engagiert. Seit 2013 war sie dort International Playwright-in-Residence. Mit ihrem Stück Brandung gewann Maria Milisavljevic 2013 den Kleistförderpreis für junge Dramatik. Ihr Stück Beben wurde für den Mülheimer Dramatikerpreis 2018 nominiert, sowie 2017 mit dem Autorenpreis des Heidelberger Stückemarktes und dem Else-Lasker-Schüler-Stückepreis ausgezeichnet. Neben ihrer Autorinnentätigkeit arbeitet Milisavljevic als Übersetzerin. Maria Milisavljevic lebt in Berlin.

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Carl Zuckmayer

Carl Zuckmayer wurde am 27. Dezember 1896 in Nackenheim am Rhein geboren. Nach dem Abitur in Mainz meldete er sich als Kriegsfreiwilliger und wurde an der Westfront eingesetzt. 1918 begann er ein kurzes Studium der Geistes- und Naturwissenschaften in Frankfurt a. M. und Heidelberg; wichtiger als alle Theorie waren ihm jedoch die in diesem Umfeld geschlossenen Freundschaften. 1920 ging er nach Berlin. Erste Stücke blieben ohne Erfolg, obwohl sie ihn "dichterisch legitimierten" - Der fröhliche Weinberg brachte ihm 1925 den Druchbruch und den Kleist-Preis. 1933 verhängten die Nationalsozialisten ein Aufführungsverbot über ihn. Er zog sich daraufhin mit seiner Familie nach Henndorf bei Salzburg zurück; dort besaß er seit 1926 ein Haus. 1938 floh er in die Schweiz, ein Jahr später emigrierte er in die USA, wo er bis 1946 als Farmer in den "Grünen Bergen" (Vermont) lebte. Von 1947 bis 1957 hielt er sich abwechselnd in der Schweiz und in den USA auf; 1958 kehrte er endgültig in die Schweiz zurück und wurde in Saas-Fee (Wallis) ansässig, seit 1966 als Schweizer Bürger. Am 18. Januar 1977 ist er als einer der über Jahrzehnte erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren in Visp (Wallis) gestorben.

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© Paulina Hildesheim

Sharon Dodua Otoo

Sharon Dodua Otoo (*1972 in London) ist Schriftstellerin, politische Aktivistin und Herausgeberin der englischsprachigen Buchreihe Witnessed (edition assemblage). Ihre ersten Novellen die dinge, die ich denke, während ich höflich lächle und Synchronicity erschienen zuletzt 2017 beim S. Fischer Verlag. Mit dem Text Herr Gröttrup setzt sich hin gewann Otoo 2016 den Ingeborg-Bachmann-Preis. 2020 hielt sie die Klagenfurter Rede zur Literatur Dürfen Schwarze Blumen Malen?, die im Verlag Heyn erschien. Politisch aktiv ist Otoo bei der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V., Phoenix e.V. und ist verbunden mit dem Schwarzen queerfeministischen Verein ADEFRA. Adas Raum, ihr erster Roman, erschien 2021 im S. Fischer Verlag. 2022 erschien Gesammeltes Schweigen (Edition Zweifel), eine gemeinsame Publikation mit Heinrich Böll, sowie der Band Herr Gröttrup setzt sich hin. Drei Texte im S. Fischer Verlag. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin und war im März 2022 Schroeder Writer-in-Residence an der Universität Cambridge.

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