Christopher Marlowe, Ewald Palmetshofer

Edward II. Die Liebe bin ich
nach Christopher Marlowe
Auftragsarbeit für das Schauspielhaus Wien in Koproduktion mit dem Theater Basel und den Wiener Festwochen
1 D, 6 H, 1 Kind
UA: 26.05.2015 · Schauspielhaus Wien in Kopr. mit dem Theater Basel und den Wiener Festwochen · Regie: Nora Schlocker
Edward II liebt die Liebe. Doch nicht zu Isabella, seiner Frau und Königin. Sondern vorerst mal zu Gaveston, seinem Günstling und Geliebten. Ihn überschüttet er mit seiner Sehnsucht. Ihn beschenkt er mit seinen Gütern. Für ihn demütigt er die Frau, den Adel und die Kirche. Gnadenlos. Doch ungestraft bleibt Edwards blinde Egozentrik nicht. Entwürdigt drängen Weib und Adel nach der Macht. Erklären erst der Liebe und dann Edward selbst den Kampf. Stürzen ihn vom Thron. Und setzen drauf den Sohn, das Kind: Edward III. Der König ist tot, es lebe der König. Doch dieser zeigt sich schneller mündig als geplant.

Ewald Palmetshofer überschrieb Marlowes Edward II mit der ihm eigenen Sprachgewalt. Entstanden ist eine poetisch-rhythmische Verknappung, eine sinnliche Auseinandersetzung mit der Liebe und dem Hass, der Macht und ihrer Verantwortung. König Edwards Sinnsuche gipfelt bei Palmetshofer im Finden der Liebe als Absolutem. Die daraus resultierende königliche Unterwerfung bringt das fragile Hofgefüge so ins Wanken, dass ein böses Ende unausweichlich wartet.


GAVESTON

jetzt liegst du da
im Bett aus Federn
vor mir ausgestreckt
schau ich dich an
ein jedes Stück
und jeden Teil von dir
das einen Mann und König macht gesamt
beginn zu küssen
kosten
kosen
dich

Journal

Ewald Palmetshofer

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25.02.2021
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Ewald Palmetshofer

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Kritiken

Edward II.

Aargauer Zeitung, 17.11.2015

Man kann sich nicht satthören an diesem Text [...]. Ewald Palmetshofer hat Christopher Marlowes Drama »Edward II« neu auf Deutsch übertragen. Übersetzt wäre das falsche Wort. Palmetshofer hat das Original zugespitzt und verdichtet, hat ganze Monologe hinzugedichtet, voller Anspielungen und grausamem Witz. 

orf.at, 28.05.2015

Sehr pointiert und mit unglaublich präziser Rhythmik ist Palmetshofers Text poetisch und mäandert zwischen der harten Künstlichkeit und einer fast lapidaren Gegenwartssprache.

onlinemerker.com, 27.05.2015

Marlowes weitgehend vorherrschende Blankverse hat er [Palmetshofer] aufgelöst, der Text ist nicht nur sprechbar, sondern ebenso heutig, radikal und schonungslos auch in rebus sexualibus, wobei Palmetshofer noch einen geradezu hymnischen Monolog homosexueller Liebe hinzugefügt hat, erotische Sprache, die mindestens so stark wirkt wie die erotischen Szenen, die man auf der Bühne zu sehen bekommt.