Maxim Biller

Kien
2 H
frei zur UA
1964 in Hamburg in einem Studio des NDR auf der Rothenbaumchaussee: Der Journalist Friedrich K. Friedrich interviewt den Schriftsteller Ulrich Kien in seiner Fernsehsendung „Achtung Kultur“. Kien, ehemals Adolf Rosenstein, Anfang vierzig, bekennender Sozialist, viel besprochener und
preisgekrönter Autor und Dramatiker, der 1939 aus Prag nach England emigrierte, wo er noch lebt. Friedrich K. Friedrich, ca. fünfzig Jahre alt, NDR-Moderator, der während der NS-Zeit Drehbücher für die Reichsfilm AG schrieb. Es soll ein Gespräch über das aktuelle Theaterstück und Schaffen Kiens werden.
Nach und nach entrollen sich jedoch Verstrickungen der beiden Männer während des 2. Weltkriegs. Familiengeschichten, politische Ideologien, persönliche Motive, und im Zentrum des Ganzen eine Frau, die sie beide kannten: Paula Paulson. Sie war eine der vielen Menschen, die in
einem Film der Reichsfilm AG „mitspielen“ mussten und anschließend deportiert wurden. Das Fernsehinterview entwickelt sich zu einem Thriller vor und hinter den Kulissen. Faschistische Ideologien, die weiterhin im Kopf von Friedrich K. Friedrich vorherrschen, kommen auf den Tisch.
Diese Konfrontation wird für einen der beiden zum Kampf ums Überleben.

Maxim Biller macht mit Kien ein Stück Geschichte der noch jungen Bundesrepublik Deutschland erfahrbar. Das Gedankengut aus der NS-Zeit lebt noch in vielen Köpfen der deutschen Gesellschaft weiter und muss erst von nachfolgenden Generationen überschrieben werden.