Matthew Lopez

NEU
The Inheritance
Deutsch von Hannes Becker
1 D, 12 H, (Mehrfachbes.)
UA: 02.03.2018 · Young Vic, London · Regie: Stephen Daldry
DSE: Herbst 2021 · Residenztheater München · Regie: Philipp Stölzl
The Inheritance erzählt die Geschichte dreier Generationen schwuler Männer in New York, die erzählte Zeit des Stücks umfasst drei Jahre vom Sommer 2015 bis zum Frühjahr 2018, gefolgt von einem Epilog in der Zukunft des Jahres 2022. Der zeitliche Referenzrahmen allerdings reicht zurück bis in die Zeit der AIDS-Epidemie der 1980er und 1990er Jahre. Das Miteinander der Generationen im Stück weckt die Frage nach den privaten, kulturellen und politischen Auswirkungen der Epidemie auf die schwule Community heute. Der Kampf der Überlebenden um Anerkennung hat die politischen Voraussetzungen dafür geschaffen, dass jüngere Schwule in den USA heute ein freieres Leben leben können.
Zugleich sieht sich die Community der Vereinnahmung durch den kulturellen Mainstream ausgesetzt und erlebt einen neuen homophoben Backlash. Damals wie heute verläuft die Grenze zwischen Verlierern und Gewinnern dieser Kämpfe entlang von Klasse und Rasse. Das Stück hat diese Realitäten fest im Blick und fragt am Beispiel des schwulen Selbstverständnisses nach Zustand und Verfassung der US-amerikanischen Gesellschaft insgesamt. The Inheritance richtet sich daher auch nicht allein an ein schwules Publikum, sondern lädt alle denkbaren Zuschauer*innen dazu ein, sich in den Schicksalen der dargestellten Personen wiederzuerkennen. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie eine jüngere Generation das Erbe der älteren antreten kann: materiell, politisch, spirituell. ...

Der Kritiker des Telegraph hat Lopez’ Stück das „vielleicht bedeutendste amerikanische Theaterstück des Jahrhunderts“ genannt – und in der Tat: Von Anspruch, Umfang und Thematik her muss The Inheritance den häufig gezogenen Vergleich zu Tony Kushners Angels in America von 1993 nicht scheuen. Ganz für sich besteht der Text durch seine sprachliche Zartheit, die Leichtigkeit und Wandelbarkeit des Stils und die Aufmerksamkeit für Momente der Intimität zwischen Publikum und Darsteller*innen. (Hannes Becker)