Anne Weber

August
13 D, 22 H, Chor
Im Zentrum dieses „bürgerlichen Puppentrauerspiels“ steht Goethes einziger Sohn August, eine Figur, die man im Schatten des großen Vaters aufwachsen und zugrunde gehen sieht. In Anlehnung an das antike Theater übernimmt ein Chor alter Weimarer oder böswilliger Nachbarn die Erzählerrolle. In fünf Akten umfasst die Handlung das gesamte Leben August, von seiner Geburt als uneheliches Kind der Christiane Vulpius über sein Erwachsenenleben im Bann und Dienst des Vaters, seine Ehe mit einer adligen Preußin, für die er, wie für alle anderen, nichts anderes als der Sohn des überragenden Dichters ist, bis hin zu seinem frühen Tod in Rom, wo er ein letztes Mal vergeblich dem Vater zu entkommen sucht. Der Vater ist das Maß, an dem August sein Leben lang gemessen wird, und an dem er zerbricht. Das zur Goethezeit sehr beliebte Marionettentheater liefert die ideale Form, um jenseits jedes historischen Realismus’ Figuren aus verschiedenen Epochen (von Charlotte von Stein und Bettina von Arnim über Thomas Mann bis hin zur Autorin selbst) und Welten (sowohl Menschen, die wirklich gelebt haben, als auch imaginäre Figuren wie die Louise aus dem „echten“ bürgerlichen Trauerspiel Kabale und Liebe) auf die Bühne zu holen. Über die Jahrhunderte hinweg können sie bei Anne Weber Gedanken austauschen und sich berühren. Statt in altertümelndem Deutsch reden sie jeder in einer ihr eigenen, ihrem Wesen und sozialen Stellung entsprechenden Sprache. Auf zugleich spielerische und anrührende Weise wird August tragische Existenz aus dem Schatten dessen geholt, der immer präsent ist, wenn er auch als einziger nie auftritt: Goethe.